Monatsarchiv: Januar 2013

Du kanst misch mal lesen! Rechtschreibung und Höflichkeit

hallo zum Blogeintrahg fon die Woche!

Fühlen Sie sich begrüßt? Aber verstanden haben Sie schon, was da oben steht – von daher kann ich mich eigentlich entspannt zurücklehnen.

So einfach liegt die Sache dann wohl doch nicht und ich heiße Sie auch diese Woche wieder herzlich willkommen zum sonntäglichen Blogeintrag hier auf dem textbasis.blog. Heute geht es um korrekte Rechtschreibung und warum es sinnvoll ist, seine Texte zumindest kurz zu überfliegen, nachdem man mit dem Tippen fertig ist.

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen eine atemberaubende Gehaltserhöhung und finden folgendes Schreiben dabei:

Seer gehrte Frau Muster, führ ihre dolle Abreit habe ich mich entschloßen Ihnen ab so fort viel mehr Gelt, dobbelt so viel, zu bezahln. Vilen Dank!

Ich meine, man könnte damit leben, dass der Verfasser eventuell noch das Eine oder Andere bezüglich der deutschen Rechtschreibung lernen könnte. Denn ab sofort klingeln die Kassen – und was bedeutet da schon dieser oberflächliche Wisch?
Andererseits ist es in vielen Fällen gerade nicht so, dass es keine Rolle spielt, wie ein Text geschrieben wurde. Die Idee zu diesem Blogeintrag kam mir während des Lesens folgender Textstelle:

The sight of this ill-spelled, badly written document was the final blow; its crudities stung me even more than the message it contained, though this was blunt enough.1 (auf Deutsch: „Der Anblick dieses falsch geschriebenen, schlecht verfassten Schriftstücks war die traurige Krönung; seine Schroffheiten trafen mich mehr als die Botschaft, die es barg, obgleich diese schonungslos genug war.“)

Die Sprecherin ist die Romanfigur Evelyn. Zusammen mit einem Liebesschwindler floh sie vom Anwesen ihres Großvaters. Dieser, sehr verärgert, enterbte Evelyn. Als Alberto, der besagte Liebesschwindler, davon erfährt, lässt er Evelyn mittellos und allein in Italien sitzen; in seinem Abschiedsbrief erwähnt er, dass er sich auf die Suche nach einträglicherer Gesellschaft begeben habe.
Trotz aller Kürze der geschilderten Ereignisse ist die Reaktion Evelyns auf die hinterlassene Nachricht verwunderlich. Die Art und Weise, wie Alberto geschrieben hatte, schmerzt sie mehr als die Botschaft selbst!

Nun haben wir zwei Beispiele: die Gehaltserhöhung und Albertos Botschaft an Evelyn. Im ersten Fall ist die Rechtschreibung vernachlässigbar und Frau Muster freut sich über den Inhalt. Im zweiten Fall vernachlässigt Evelyn den Inhalt und ist erbost über die Rechtschreibung. Denkt man über diese beiden widersprüchlichen Beispiele nach, kommt man schnell zu einer Einsicht: Rechtschreibung ist nicht allein deswegen wichtig, um verstanden zu werden. Sie dient überdies dazu, sich angemessen auszudrücken.

Denn auch wenn etwas grauhenfoll falch geschrieben ist, verstehen wir meist, was gemeint ist (und der Gurnd dfüar ist nihct aeilln, dsas die Bchuastebnolgfe in eienm Wort gar nchit so wchiitg ist). Der Grund ist vielmehr, dass wir uns die Fehler beim Lesen wegdenken, weil wir vom Wort zum Sinn wollen. Unsere Neugier ist einfach zu groß, denn wir wollen erfahren, was da steht. Wir wollen nicht an Rechtschreibfehlern hängenbleiben.
Aber das schiene dann ja doch zu heißen, dass man eigentlich gar nicht richtig schreiben müsse, wenn des Lesers Neugier schon dafür sorgen werde, den Sinn zu finden. (Was dabei nicht immer so leicht für den Leser ist, wenn man beispielsweise statt von Uranvorkommen von Urahnvorkommen spricht).

Doch Vorsicht mit solchen Schlussfolgerungen. Denn egal ist es sicherlich nicht, wie man schreibt. Dies führt uns Evelyns Reaktion deutlich vor Augen. Für sie ist die Nachricht der Dolch; jedoch die Stiche desselben in ihr Herz sind die Fehler und der Unflat des Textstücks! Indem der Schwindler Alberto sich keine Mühe gab, ordentlich zu schreiben, beschmutzte er Evelyn umso mehr. Dass er sich nicht die Zeit genommen hat, ihr wenigstens einen letzten Rest Respekt entgegenzubringen und dass er die Nachricht schrieb wie eine unbedeutende Einkaufsliste, das erschüttert die arme Evelyn – und das ist es auch, was jeden Leser erschüttert: dem Autor nichts zu bedeuten!

Denn der Leser ist nicht so doof, dass er nicht versteht, was da vor ihm steht – und sei es noch so falsch und schrecklich geschrieben. Er wird nur nicht allzu oft so gutherzig sein, die Respektlosigkeit des Autors zu vergeben. Wie man nicht sagt: „Ey, du Bäcker, mach mirn Sack voll Brötchen!“, so schreibt man auch nicht: „kanst du mir bite beim Mahlern helfen Morgen mittag!?mfg“.
Wenn der Leser nicht spürt, dass sich der Autor alle Mühe gibt, kein grober Alberto zu sein, dann wird der Leser nie glücklich frohlocken – und auch nie denken: Das liest sich gut, das hat er schön gesagt, der schreibt toll, den les ich wieder!“

Es reicht demnach nicht, sich nur verständlich zu machen. Der Leser erkennt nahezu immer, was man von ihm will. Es kommt darauf an, dem Leser zu vermitteln: Dafür, dass du meinen Text liest, danke ich dir – und sei es nur dadurch, dass ich mir für dich Mühe gegeben habe beim Schreiben. Der Inhalt mag dann sein wie er will, aber diese Höflichkeit sollte die Voraussetzung jedes Textes sein. Sie ist der Dank dafür, dass ein Leser sich überhaupt Zeit nimmt, meinen Text zu lesen.

Und wenn man sich große Mühe gegeben hat und der Leser das auch spürt, dann macht es auch nichts, wenn sich mal ein Tippfelher einschleicht oder man das ein oder andere Komma falsch gesetzt hat. Denn es kommt nicht darauf an, perfekt zu sein, es kommt darauf an: höflich zu sein. Wer es gut meint, mit dem meint man es auch gut. Wer sich aber gar keine Mühe gibt, von dem wird man schnell denken, dass er nicht nur unhöflich ist, sondern dass er wohl auch gar nicht anders schreiben kann. Dann hatte man zwar immerhin für kurze Zeit überhaupt einen Leser; doch was man dagegen lang haben wird, sind keine Leser.

PS: Deswegen sollte man auch bei dem Schreiben zur obigen Gehaltserhöhung stutzig werden. Ist der Chef nicht in der Lage, ein Mindestmaß an Höflichkeit und richtiger Rechtschreibung aufzubringen, dann wird er wohl auch kaum in der Lage sein abzuschätzen, ob es finanziell überhaupt möglich ist, doppelt so viel Gehalt zu zahlen. Denn lieber etwas weniger Geld über einen sehr langen Zeitraum, als viel Geld über einen ganz, ganz kurzen.

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1 Peters, Elizabeth: Crocodile on the sandbank. In: Peters, Elizabeth: Amelia Peabody Omnibus : Books 1–4. [E-Book]. Kindle Position: 433/23004.
London : Constable & Robinson
2012. – ISBN 978-1-78033-978-8


Auf Obwegen. Schreiben wollen, Formulieren können und verstanden werden

Der erste Satz eines Textes wird komponiert; doch er sollte keine Fahrstuhlmusik, sondern ein Wortrockkonzert sein!
Lesen und schaudern Sie zu Beginn, wie man es gerade nicht macht:

„Ob ob „ob“ „wegen“ weniger oft denn „ob“ selbst vorkommt, also ob dem „ob“ seinem Selbst, gleichsam ob dem dem „ob“ ihärentem wegen, demnach quasi doch bloß ob der Existenz „ob“s? Mitnichten.“

Nichts außer Textquark! Und dabei hätte man es so viel schöner sagen können – wenn man es überhaupt sagen wollte. Folgend ein paar Überlegungen zum Schreiben, Formulieren und Verstehen von Texten (und eine Übersetzung der obigen Wortwirren gibt’s auch noch, wenn Sie mögen.)

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1. Schreiben wollen
Im Blogeintrag dieser Woche beziehe ich mich auf das Buch „Deutsch für junge Profis“ von Wolf Schneider. Gleichsam man nicht alle seine Thesen zur Sprache teilen muss, ist und bleibt Herr Schneider doch ein Vorbild für stilsicheres Schreiben. Ein Blick in seine Bücher sei allen Sprachverliebten und Texterschaffenden nachdrücklich ans Herz gelegt.

„Am Anfang steht die Erkenntnis: Ein Text ist nicht schon deshalb gut, weil er (a) korrekt und (b) von mir ist.“ (Schneider 2012: S. 9) Mit diesem Hinweis entlässt uns Schneider zu Anfang in sein Buch – und schon aus diesem Satz kann jeder Schreiber Wichtiges lernen. Auf den Inhalt und auf die Verpackung kommt es an, denn auf „Basis der korrekten Grammatik muss ich eine Kunst erlernen […]“ (ebd.: S. 9).

Aus den Normierungen (den Vorschriften der Sprache) heraus muss ich das Grenzenlose, das Kreative entwickeln. Gleichzeitig muss ich mir bewusst werden, dass deswegen nicht alles, was ich schreibe, auch gut ist. Die Kunst besteht darin, zu sagen: Das Thema ist gut, mein Text bescheiden – Wohlauf denn, neu ans Werk! Die Bereitschaft, das Wort Synapsenaktivitätsresultat zu streichen und stattdessen Geistesblitz zu schreiben, ist ein erster Anfang. Kritisch mit sich selbst sein und nicht für sich, sondern seine Leser den Stift führen – das sollte aller Wörter Anfang sein.

2. Formulieren können
Mit dem guten Willen ist es freilich dann noch nicht getan. Nur weil ich nicht ausschließlich für mich schreiben will, entsteht noch kein guter Text. Wolf Schneider liefert 32 kurze Kapitel, die zum Nachmachen einladen. Doch obgleich ich alle Kapitel empfehle, kann ich hier nicht auf alle eingehen. Deswegen sollen nur ein paar pfiffige Hilfen herausgepickt werden.

Das Wichtigste dabei gleich zum Anfang. Hat der Leser keine Lust weiterzulesen, dann liest er auch nicht weiter. Versuch gescheitert, Text tot. Schneider schreibt: „160 Zeichen oder 10 Sekunden lang haben Sie Zeit den furiosen ersten Satz anzureichern, auszupolstern […] Nach 20 Sekunden oder 350 Zeichen jedenfalls ist alles verloren.“ (Schneider 2012: S.20f.) Heißt: Vieles kann schiefgehen beim Schreiben, aber geht es am Anfang schief, dann ist der Rest auf jeden Fall verloren.

Natürlich gibt es Texte, denen mit furiosen ersten Sätzen nicht gedient ist (Doktorarbeiten, Kondolenzschreiben etc.), das weiß Schneider natürlich auch. Aber der Text, der einen Leser erst gewinnen muss, um gelesen zu werden, der tut gut daran, Wortwirbel und Satzspitzen toben zu lassen. Auf dass diese den Leser mitreisen und antreiben. Konkret: Der „erste Satz“ des Textes ist meist nicht der zuerst geschriebene Satz.

Also weiter. Der Text steht, der erste Satz zündet. Nun heißt es kontrollieren, den eigenen Text erforschen. Man weiß was drin steht, aber oft muss man noch entdecken, wie man es eigentlich geschrieben hat. Und nicht alles, was man findet, ist immer schön. Für konkrete Schreibhilfe: lesen sie Schneider. Zusammengefasst: schreiben Sie klar und prägnant, schreiben Sie verständlich, warten oder tüfteln Sie an guten Ideen. Verwenden Sie wenig Adjektive aber kraftvolle Verben, und meißeln Sie starke Sätze mit starken Substantiven. Erfüllen Sie Erwartungen und schreiben Sie anschaulich.

3. Verstanden werden
Viel gelesen wird viel, das war die These des letzten Blogeintrags. Aber damit viel gelesen wird, muss umso mehr geschrieben worden sein. Denn obschon nicht jeder alles liest, so wird man das Gefühl nicht los, dass jeder alles aufschreibt – denn Schreib-Blogs haben Schreib-Blöcke schon lang ersetzt. Nun ist es natürlich das Ziel von uns allen, gute Texte zu schreiben. Dennoch wird nicht jeder Text gut und viele Texte sind kompliziert und unverständlich. Dann ist es manchmal so, als müsse man die Spiegeltür im Spiegellabyrinth finden: Konzentration und bloß nicht verwirren lassen!

Aber wie das Wetter, so kann man sich nicht immer aussuchen, was man liest. Muss man einen komplizierten, im Mittel mäßigen Text lesen und verstehen, dann gilt es Geduld zu haben. Suchen Sie das Thema des Textes – und wenngleich es der Autor manchmal wohl selbst nicht so genau wusste, fragen Sie: „Was will man mir sagen?“. Bekommen Sie ein Gespür, wo es hingehen soll.

Danach lösen Sie komplizierte Wörter auf. Machen Sie aus der Lapidarmarginalie „Unwichtiges“ und aus der „Produktgewinnoptimierungsmaßnahmendurchsetzung“ die „Preiserhöhung“. Wenn Sie nun lesen, dass die „Produktgewinnoptimierungsmaßnahmendurchsetzung keine Lapidarmarginalie ist“, dann wissen Sie schon, dass „Preiserhöhung nichts Unwichtiges“ ist.

Daraus schlussfolgern Sie, dass das Unternehmen wohl bald schon sein Gewinninteresse auf die Kunden umlegen wird. Schlussendlich verkürzen Sie zu „Alles wird wieder teurer werden“ – und Sie sind am Ende.
(Und weil Sie wissen, wie man einen unverständlichen Text verständlich macht, wissen Sie auch, wie man ihn selbst schreibt, um sofort verstanden zu werden.)

Buchempfehlung und Quellenangabe:
Schneider, Wolf: Deutsch für junge Profis : Wie man gut und lebendig schreibt.
3. Aufl. Reinbek bei Hamburg : Rowohlt,
2012. – ISBN 978-3-49962-629-6

Ende des Beitrags! Wer jetzt noch weiterliest, ist selber schuld und wird schon sehen, was er davon hat.
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4. Die Übersetzung
Her mit dem Satzscheusal vom Anfang! Testen wir das Ganze einmal am Beispiel:

„Ob ob „ob“ „wegen“ weniger oft denn „ob“ selbst vorkommt, also ob dem „ob“ seinem Selbst, gleichsam ob dem dem „ob“ ihärentem wegen, demnach quasi doch bloß ob der Existenz „ob“s? Mitnichten.“

Es geht scheinbar um die Wörter „ob“ und „wegen“. Nun wird gegliedert, aufgelöst und umgeschrieben:

„[Ob]1 [ob]2 [„ob“]3 [„wegen“]4 [weniger oft denn]5 [„ob“ selbst]6 [vorkommt]7, [also ob]8 [dem „ob“ seinem Selbst]9, [gleichsam ob dem]10 [dem „ob“ ihärentem wegen]11, [demnach quasi doch bloß]12 [ob]13 [der Existenz „ob“s]14? [Mitnichten]15.“

„[Ob]1 [wegen]2 [dem Wörtchen „ob“]3 [das Wörtchen „wegen“]4 [weniger oft als]5 [das Wörtchen „ob“ selbst]6 [vorkommt]7, [also wegen]8 [dem „ob“ seinem Selbst]9, [gleichsam wegen dem]10 [dem Wörtchen „ob“ innewohnendem wegen]11, [demnach also doch nur]12 [wegen]13 [der Existenz des Wörtchens „ob“]14? [Nein]15.“

Es sieht schon fast aus wie ein deutscher Satz. Nun noch Ausformulieren und die restlichen Verklausulierungen verständlich machen:

„Kann es sein, dass durch das Vorhandensein des Wörtchens „ob“ das Wörtchen „wegen“ weniger oft genutzt wird als das Wörtchen „ob“? Ein Grund dies anzunehmen liegt in der Beschaffenheit des Wörtchens „ob“. Denn dieses ist mehrdeutig und besitzt ebenfalls die Funktion des Wörtchens „wegen“. Es ist mit ihm bedeutungsgleich, wird es nicht als Konjunktion benutzt („Ich frage mich, ob sie rechtzeitig ankommen wird.“), sondern als Präposition („Sie kam nicht rechtzeitig an ob/wegen des schlechten Wetters.“). Ist es also der Fall, dass allein durch das bloße Vorhandensein des bedeutungsgleichen Wortes „ob“ das Wort „wegen“ seltener benutzt wird? Die Antwort lautet: „Nein“. Denn „ob“ als Präposition hat das Wort „wegen“ keinesfalls verdrängt und kommt sogar seltener vor, da es, laut Duden, gehoben veraltend ist.“

Aha! Darum geht’s also. Aber was will uns der Text sagen? Wir verkürzen:

„Auch wenn die Wörter „ob“ und „wegen“ teilweise bedeutungsgleich sind, so wird „ob“ seltener verwendet“. Oder: „Verwenden Sie „wegen“, denn „ob“ kommt als Präposition aus der Mode.“

Und wenn Sie dann feststellen, dass Sie dies den Lesern eigentlich gar nicht sagen wollen, dann ersparen Sie sich und den Lesern das nächste Mal all die Mühe. Folgen Sie keinen Obwegen, sondern kommen Sie schnell ans Ziel. Haben Sie eine gute Idee, schreiben Sie einen guten Text dazu. Das ist schwer, aber es lohnt sich.


[Nahdenken! #1] Auf Lesenszeit

Willkommen zum ersten Beitrag in der Kolumne „Nahdenken!“. In unregelmäßigen Abständen werden unter diesem Titel kurze und griffige Texte zu diversen Themen veröffentlicht werden. Auf dass sie zur herzlichen Diskussion anregen!

Hin und wieder hört man davon, dass immer weniger gelesen werde und, wenn man gerade einer sehr betrübten, pessimistischen Meinung begegnet, dass dies auch der Grund sei, dass Alles immer und immer schlechter wird. Man meint aus manchen Argumentationen den Kulturpessimisten laut schreien zu hören: „Und ich hatte doch Recht, schon immer!“. Und – ganz ehrlich – ab und an fürchtet man, dass es wahr sei.

Doch die Angst, dass immer weniger gelesen werde, hat verschiedene Hintergründe. Prominentester unter diesen ist die aktuelle Situation des guten alten Buches. Begehr Bibliophiler weltweit und schönste Handreiche für Vokabelverliebte, muss es aufgrund seiner elektronischen Verwandtschaft eventuell schon bald die Aufnahme in die rote Liste aussterbender Medienarten fürchten; und obgleich es nicht Thema dieses Beitrages ist, so hoffe ich, hoffentlich mit Ihnen zusammen hoffend, dass das E-Book nicht die MC des Tonbandes wird (was in Anbetracht der Tatsache, dass sich die LP noch immer großer Beliebtheit erfreut, glücklicherweise nur schwer vorstellbar ist).

Doch selbst wenn, und in diesem „wenn“ steckt viel melancholische Liebe, wenn es eines Tages überraschenderweise soweit sein sollte, dass das Lesen eines Buches im Lieblings-Sessel als nostalgischer Spleen angesehen wird, selbst dann wird mit der Abkehr vom Buch doch nicht die Abkehr vom Lesen erfolgen. Denn gelesen, so die These hier, wird immer und vor allem immer mehr.

Die Frage, die sich bei allen Überlegungen rund um den Rückgang der Lesewilligkeit der breiten Masse anonymer Leser stellt, ist doch die folgende: Was wird denn eigentlich immer weniger gelesen? Die Antwort darauf lautet, etwas abstrakt formuliert: Weniger gelesen werden kann immer nur ein Medium. Der Text als solcher bleibt und wird lediglich umdisponiert in eine neue Hülle.

So passiert es denn auch, dass man den Text, obwohl er doch angeblich immer weniger gelesen wird, immer häufiger überall findet. Plötzlich taucht er nicht nur in Form kleiner Zettelchen im Schulunterricht auf, sondern er huscht in Form von SMS oder E-Mail ungesehen von Mobiltelefon zu Mobiltelefon. Zugegeben, über den Textinhalt lässt sich wohl oft und gut streiten, doch dies beweist ja nur eines: dass er zumindest schon mal da ist, der Text.

Noch nicht lange ist es her, dass WhatsApp zum Marktführer kommunikationsorientierter Apps für Smartphones geworden ist. Tausende Nutzer verfassen im Sekundentakt unüberschaubare Fluten neuer Texte und beim Empfänger wird gelesen, was die Leitungen hergeben. Ebenso verhält es sich mit dem Internet als Informationsquelle par excellence. Denn mal eben was googeln, heißt immer auch, mal eben was lesen.

Egal ob auf dem Weg zum E-Mail-Postfach noch eben der Wetterbericht überflogen wird oder ob man beim Nachschlagen auf Wikipedia unbewusst drei Verlinkungen gefolgt ist und sich plötzlich darüber wundert, warum man nicht schon viel eher einmal nachgeschaut hat, was denn die Zahl im Mehl bedeutet. Viele Nutzer kennen wahrscheinlich das Gefühl, eigentlich gar nicht mehr lesen zu wollen, während sie sich von einem Facebook-Profil zum nächsten hangeln, um nur mal eben noch den aktuellen Status von ihm und die letzte Standortdurchsage von ihr zu lesen.

Nun wird man einwenden wollen, dass es wohl einen Unterschied gibt zwischen Tweets und Twain. Zugegebenermaßen ist dies wahr. Doch worin liegt der Grund, dass immer weniger Leser zu Twain greifen und stattdessen lieber hunderte Tweets lesen, die aneinandergereiht auch ein ganzes Buch ergäben? Der Unterschied liegt im Interesse der Zielgruppe. Da wo Twain immer öfter – natürlicherweise unberechtigt – auf der Seite liegen gelassen wird, da buhlen alle Formen moderner Texte um die Gunst der Massen und werden von einem breiten Publikum mit offenen Augen empfangen.

Schade ist es um das wohlige Gefühl, ein Buch in den Händen zu halten und über typografisch makellos gesetzte Seiten genießend und schwelgend zu wandern und einer schönen Geschichte oder einer interessanten Argumentation zu folgen. Darum ist es wahrlich schade, sollte dieses Gefühl zusammen mit dem Buch aus Papier und Druckfarbe einmal verschwinden. Doch selbst dann kann nicht von einem Rückgang der Lesebereitschaft gesprochen werden. Auch ohne Bücher würden die Menschen lesen – und das mehr mit jedem neuen Tag, quasi auf Lesenszeit.

Die Kunst des Momentes besteht darin, die Lesebereitschaft der Menschen durch Verwendung aktueller Textsorten und Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen. Wo Inhalte immer schneller zugänglich und immer länger gespeichert werden, dort werden Menschen gierig auf sie zugreifen. Man stelle sich vor, man poste eine Geschichte auf Twitter, die auch nur ansatzweise interessanter ist, als ein durchschnittlich langweiliges Leben eines Unbekannten. Man stelle sich vor, per WhatsApp ginge die Nachricht ein, dass auf Facebook endlich wieder ein neues Stück Community-Roman online ist. Man stelle sich vor, wie eine neue unendliche Geschichte in der Cloud entsteht, geschrieben von einem Autorenkollektiv dass jede Zahl und jede Grenze sprengt. Man stelle sich all die noch unausgedachten Ideen vor und all die Augen, die verschlingend lesen und lesen und lesen.


Ich seh’ etwas… Unsichtbare Zeichen im Text

Im ersten „echten“ Beitrag dieses Blogs soll es um etwas gehen, das man eigentlich gar nicht sieht: nämlich um unsichtbare Zeichen. Wie Sie diese Zeichen aus ihrem Versteck locken, warum es sinnvoll ist, auch auf unsichtbare Zeichen bei der Texterstellung zu achten, und welche Möglichkeiten zur effektiven Textbearbeitung sich daraus für Sie ergeben, soll hier kurz an der Textverarbeitungs-Software Microsoft Word 2010 gezeigt werden.

Nehmen wir zur Verdeutlichung ein einfaches Textbeispiel, dass an die Zwecke dieses Artikels angepasst wurde. Auf den ersten Blick ist der Text korrekt formatiert und (abgesehen von der zu Demonstrationszwecken eingefügten Aufzählung in der wörtlichen Rede) wenig auffällig.

Textbeispiel 1

Es scheint so, als sei diese Passage weitestgehend in Ordnung und bedürfe keiner weiteren Überarbeitung. Doch täuscht der Eindruck. Denn bei der Texterstellung wurde nicht darauf geachtet, die Option zur Darstellung unsichtbarer Formatierungssymbole zu aktivieren. Diese können in Microsoft Word über die Tastenkombination Strg+Shift+* ein- bzw. ausgeblendet werden. Blendet man die Formatierungssymbole ein, zeigt sich, dass der kurze Beispieltext noch einiger Bearbeitung bedarf. Werfen wir einen Blick auf sein „wahres“ Aussehen.

Textbeispiel 2

Wie Sie erkennen, wurden durch Eingabe der oben genannten Tastenkombination zusätzliche Zeichen im Text eingeblendet, welche vorher unsichtbar waren. Leerzeichen werden nun durch einen hohen Satzpunkt (•) dargestellt, Absätze durch das Absatzzeichen (¶) und Tabulatoreinzüge durch einen kleinen Pfeil.

Wenn Sie diese Funktion das erste Mal nutzen, kann es vorkommen, dass Ihnen Ihr Text ungewohnt und unübersichtlich vorkommt. Jedoch ist es empfehlenswert, sich an diese Darstellung zu gewöhnen, denn viele Fehler fallen so direkt auf und können schnell ausgebessert werden.
Im Beispieltext lassen sich auf diese Weise sieben Möglichkeiten zur Verbesserung finden. Sie setzen sich zusammen aus überflüssigen Leerzeichen, falscher Formatierung und einem falsch gesetzten Absatz. Im folgenden Bild wurden die Fehler rot markiert.

Textbeispiel 3

Durch die eingeblendeten Formatierungszeichen lassen sich die überflüssigen Leerzeichen schnell ausmachen. Zudem fällt sofort auf, dass in der Aufzählung einmal nicht die Tabulator-Taste und stattdessen Leerzeichen für die Formatierung benutzt wurden. Am Ende des Textes findet sich überdies ein falsch gesetzter Absatz. Dieser würde den Satz auseinanderreisen; er fällt jedoch deswegen nicht auf, da er zufälligerweise mit dem Zeilenende übereinstimmt. Bei Verwendung anderer Schriftgrößen würde diese Überschneidung wegfallen und es ergäbe sich ein unschöner, nicht gewollter Zeilenumbruch.

Durch die Arbeit mit eingeblendeten Formatierungszeichen können demnach häufige Flüchtigkeitsfehler schnell ausgebessert werden. Dadurch gelingt es, dass Ihr Text nicht nur äußerlich korrekt, sondern auch für weitere Schritte seiner Verwendung optimal vorbereitet ist. Denn doppelte Leerzeichen zwischen Wörtern, ungewollte Umbrüche oder inkorrekte Formatierungen behindern nicht nur die zügige Bearbeitung, sondern führen oft auch zu optischen Schnitzern, welche beim Lesen unangenehm auffallen.
Nach der Umarbeitung und der Ausbesserung unseres Beispieltextes ergibt sich nun also ein „sauberer“ Text, der sich auch unter der Oberfläche sehen lassen kann.

Textbeispiel 4

Abschließend möchte ich Ihnen noch ein paar Tipps nennen, mit denen Sie bereits erstellte Texte schnell nach Fehlern bei der Verwendung von unsichtbaren Formatierungszeichen durchsuchen können. (Mit der Tastenkombination Strg+F kann der Benutzer in Microsoft Word ein Dokument nach Wörtern und Zeichen durchsuchen.)

Benutzen Sie die Suchfunktion und geben als Suchbegriff zwei Leerzeichen ein, so wird Ihnen Word all diejenigen Stellen anzeigen, wo versehentlich zwei oder mehr aufeinanderfolgende Leerzeichen gesetzt wurden. Geben Sie als Suchbegriff stattdessen ein Leerzeichen gefolgt von „^p“ (ohne Anführungszeichen) ein, wird Ihnen Microsoft Word alle Absatzzeichen heraussuchen, vor denen noch überflüssige Leerzeichen stehen. Mit diesen beiden Suchen lassen sich häufige Fehler ganz leicht selbst beseitigen.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

PS: Trotz aller hier gegebenen Hilfestellungen sei angemerkt, dass es neben den für diesen Beitrag benutzten noch viele weitere unsichtbare Formatierungszeichen gibt. Zudem können Dokumente über die erweiterte Suchfunktion von Microsoft Word nach zahlreichen weiteren Formatierungen durchsucht werden.


Hallo Welt!

Ich heiße Sie herzlich willkommen auf den Seiten des textbasis.blogs.

In Zukunft möchte ich Ihnen auf dieser Homepage interessante Lese-Empfehlungen und hilfreiche Artikel zu den Themen Texterstellung und Textbearbeitung anbieten. Meine Erfahrungen als Freier Lektor sollen dabei ebenso einfließen wie meine persönliche Begeisterung für Bücher und Sprache im Allgemeinen. Ich wünsche mir, dass Sie auf dem textbasis.blog Anregung und Ermutigung finden, selbst zu schreiben und mit Freude zu texten.
Terry Pratchett sagte einmal sinngemäß, dass Schreiben der größte Spaß sei, den man mit sich selbst haben könne. Damit hat er natürlich Recht und alles, was es dazu braucht, sind Stift und Papier (respektive einen Laptop mit funktionierender Textverarbeitungs-Software; Hammer und Meißel etc. pp.).

Dabei ist es selbstredend nicht immer nur der Spaß, der beim Schreiben im Vordergrund steht. Bücher machen ist harte Arbeit, einen Werbetext zu entwerfen fordert ein feines Gespür für Zielgruppen und Gestaltung, Fachtexte bedürfen klarer Sprache und disziplinierter Gedankenführung und so fort.
Damit aus einem Text ein guter Text wird, steckt viel Zeit und Wissen in seiner Erstellung. Mögen die hier veröffentlichten Beiträge einen Teil dazu beisteuern, dass Sie mit viel Freude und eventuell auch der ein oder anderen neuen Information an Ihre Texte herantreten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß und eine angenehme Zeit.