Matchbox – Die Zusammenkunft, oder: „Autoren finden Verlage finden Autoren“

Eventuell klingt der Titel etwas nach Science Fiction – aber damit hat der Artikel dieses Sonntags gar nichts zu tun. Aufgreifen möchte ich das leidige Thema: Wie finde ich einen Verlag? Oder mit anderen Worten: Warum findet der Verlag mich nicht? Diese Frage ist natürlich nicht neu und auch nicht zum ersten Mal gestellt. Jedoch: die Antworten sind oft gleich und wiederholen sich. Aber die Aktualität der Frage ist unverändert und viele neue Autorinnen und Autoren sind betroffen. Doch genau an dieser Stelle tut sich etwas und ich finde, dass es hier unbedingt vorgestellt sein sollte.

protoTYPE ist eine Initiative von Forum Zukunft und dem Arbeitskreis Elektronisches Publizieren im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Im protoTYPE-Selbstporträt liest man:

„Nach dem Motto: ‚Schluss mit reden, Zeit zu handeln!‘ bringt protoTYPE Vor-, Quer- und Mitdenker der Branche zusammen. protoTYPE bringt Dinge ins Rollen und führt zusammen, was zusammen gehört: kluge Köpfe und das Potential, die Zukunft neu zu gestalten.“ (klicken Sie hier für die gesamte Selbstbeschreibung)

Und dass das nicht nur gut klingt, sondern auch zu hochinteressanten Ideen führt, wurde dieses Jahr erneut unter Beweis gestellt, indem auf der Leipziger Buchmesse aus allen Ansätzen vier Projekte herauskristallisiert wurden, welche hoffentlich schon bald neuen Wind in die Buchbranche blasen werden. Alle vier Projektprofile finden Sie hier; ich möchte speziell auf das Projekt „Matchbox“ eingehen. Im folgenden Video erklärt Dennis Brunotte, was die Idee hinter Matchbox ist, das auf der Website knackig umschrieben wird mit: „Das Web-Portal, in dem Autoren und Verlage sich finden.

Ich hoffe, dass dies für Ihre Ohren ebenso verlockend und geistreich klingt wie für die meinen. Die besten Einfälle sind die einfachen. So ist es auch hier. „Na klar“, denkt man, „warum gibt es das eigentlich noch nicht?“ Die Vorteile liegen auf der Hand und Herr Brunotte hat sie sympathisch zusammengefasst.

Mit Matchbox soll ein Portal geschaffen werden, das auch neuen und aufstrebenden Autoren die Möglichkeit bietet, ihre Projekte vorzustellen. Durch die Möglichkeit, das gesamte Manuskript einzustellen, fällt E-Mail-Versand und Postversand weg. Zudem finden Autoren eine Plattform, mit der sie gezielt die Flut neuer Bücher umschiffen und wieder mehr Aufmerksamkeit für sich selbst generieren können. Durch E-Publishing und Selbstvertrieb erscheinen immer mehr Bücher auf dem Markt und es ist schwer, das gute vom schlechten Getreide zu trennen. Durch eine passende Selbstdarstellung, eine gekonnte Projektvorstellung und das Netzwerk Matchbox erhöht man seine Chancen aufzufallen um ein Vielfaches; man erreicht schnell die richtige Ziel- beziehungsweise Verlagsgruppe. Ein weiterer Vorteil, den Herr Brunotte herausstellt, ist die Überwindung einer der schwierigsten Hürden für neue Autoren: die fehlenden Beziehungen in die Branche. Diese Beziehungen können durch Matchbox aufgebaut werden.

Dabei endet jedoch die Vision eines zusammenbringenden Netzwerkes zwischen Autoren, Lektoren und Verlagen nicht. Mit der Frage im ersten Abschnitt „Warum findet der Verlag mich nicht?“ habe ich es bereits angedeutet, dass mit Matchbox auch für Lektoren und Verlage eine neue Möglichkeit eröffnet werden kann. Denn wenn Autorenprofil und Projektvorstellung stimmen, dann werden auch Lektoren und Verlage eine solide Grundlage haben, um schnell Entscheidungen zu treffen, ob eine Zusammenarbeit wünschenswert oder ein neuer Titel für das Verlagsprogramm interessant ist. Wenn man darüber schreibt, klingt es so selbstverständlich, dass man sich mehr und mehr wundert, warum noch keiner ein solches Netzwerk entwickelt hat. Aber dies ist lediglich der Beweis für die Genialität des Einfalls.

Auch Leser sollen in das Netzwerk miteinbezogen werden. Die Verbindung von Publikum, Verleger und Autor auf einer Plattform erscheint mir ein gewichtiger Schritt. Man darf gespannt sein, wie diese Zusammenkunft tatsächlich umgesetzt werden wird, jedoch scheint sie gewinnbringend für alle Beteiligten: die Verlage und Lektoren finden schnell Projekte außerhalb ihrer bereits bestehenden Netzwerke; Autoren werden von Verlagen gefunden und umgehen die Hürde fehlender Beziehungen; die Leser dienen gleichzeitig als Indikator für Trends und Ideen und könnten direkt mitgestalten und ihrer Meinung an erster Stelle Gehör verschaffen. Ein Traum, wohlmöglich eine Revolution? Ich hoffe es, denn Matchbox scheint so viel Potenzial für Autoren, Lektoren und Verlage zu bieten, dass nichts davon verschenkt werden sollte!

Ich wünsche dem gesamten Team alles erdenklich Gute bei der Umsetzung, viel Erfolg und den gewünschten Durchschlag – die Weichen sind gestellt, die Lok rollt bereits. Allen anderen protoTYPE-Teams ebenfalls Schaffens- und Durchhaltekraft. Innovation: hoch, hoch, hoch!

Weiterführende Informationen entnehmen Sie bitte dem vollständigen Matchbox Projektprofil.

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Über Sebastian Schmidt

Ich arbeite als freier Lektor (www.lektorat-textbasis.de) und mag gute Bücher. Vor meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich Germanistik und Philosophie studiert (M. A.) sowie als Bibliotheksangestellter gearbeitet. Neben der Zusammenarbeit mit Autoren und Verlagen liebe ich die Musik. Blogadresse: textbasis.wordpress.com Zeige alle Beiträge von Sebastian Schmidt

4 responses to “Matchbox – Die Zusammenkunft, oder: „Autoren finden Verlage finden Autoren“

  • gudrunlerchbaum

    Die Idee ist gut. Ob das aber – anders als Plattformen wie zb. Romansuche (gibts die überhaupt noch?) auch von Verlagen genutzt wird, muss man wohl abwarten. Ja, Skepsis soll hier durchklingen …

  • katharinavhaderer

    Klingt wie ein sehr interessantes Projekt, ich kann mir allerdings vorstellen, dass die Umsetzung schwierig wird. Glaubst du nicht, dass eine solche Plattform erneut einen wahnsinnigen Auflauf an schlechten Manuskripten zur Folge haben wird?

    • Sebastian Schmidt

      Hi! Danke für deinen Kommentar. Ich kann mir vorstellen, dass es diesen Ansturm schlechter Manuskripte geben könnte. Allerdings, so verstehe ich das Projektprofil von Matchbox, wird man schnell erkennen, welche Manuskripte gut oder schlecht sind: Der Autor kann ein Expose veröffentlichen und Leseproben einstellen; auch die vom Autor angeschlagenen Konditionen könnten Hinweise auf die Qualität des Manuskriptes liefern. Aus der Verbindung von Leseproben und der Einbeziehung der Leser könnten sich schnell gute Manuskripte und Trends von schlechten Manuskripten und Trash separieren lassen. Hoffentlich zumindest ;).

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