[Mainzer Minipressen-Messe] Samstag, 01.06.2013

Seit dem letzten Artikel sind etwa 24 Stunden vergangen; vergangen ist damit auch mein zweiter Tag in Mainz auf der Minipressen-Messe.

Mainzer Minipressen-Messe 2013

Nachdem ich gestern Nacht noch den Messekatalog gelesen und mir für heute einen ungefähren Laufwegeplan erstellt hatte, gestaltete sich der Tag etwas strukturierter. Auffällig scheint zu sein, dass einige Standbetreiber die Situation gänzlich gegenteilig einschätzen. Der Umzug der Messe heraus aus den Messezelten vergangener Jahre und hinein in die Rheingoldhalle stößt nicht nur auf überschwängliche Freude. Die Stimmung wäre zurückhaltender, meinen die einen; die Bedingungen, gerade für bibliophile Ausgaben, hätten sich deutlich verbessert, die anderen. Ebenso verhält es sich mit der Zufriedenheit bezüglich der eigenen Standplatzierung: Wo die einen sich über viele Besucher nahe des Eingangsbereiches freuen, ärgern sich andere über die Positionierung in manchmal doch etwas abgelegenen Winkeln. – Das jedoch nur am Rande, denn mir als Besucher gefällt die Rheingoldhalle als Veranstaltungsort sehr gut und auch abgelegene Winkel hinderten meine Neugier auf Erkundung nicht.

Einer der interessantesten Stände für mich war heute ein Stand für Kinder-Märchenbücher. Die Verlegerin, die sich charmant von meinen Fragen löchern ließ, erzählte und zeigte Wunderbares. (Um auf direkte Werbung zu verzichten, bleibt der Verlag ungenannt, aber schon das Konzept ist umwerfend.) Robuste Kinderbücher auf hochwertigem Papier, in einmaligem Layout und ausgefallener Typografie, teilweise im Bleisatz gedruckt, ausgestattet mit fantastischen Zeichnungen und spannenden Geschichten. So treten sie die Nachfolge der grimmschen Märchen an. Das sind Bücher, die man als Kind zu lieben beginnt und die einem später das Gefühl geben, dass keine Bücher je mehr so gut waren, wie die, die man als Kind gelesen hat. Mit Detailverliebtheit und witzigen Geschichten machen sie Kindern Lust auf Lesen und vermitteln gleichzeitig eine Idee davon, was Buchkunst bedeuten kann. Diese bibliophilen und – wie mir die Verlegerin zusicherte – auf ihre Robustheit in und an der Praxis geprüften Bücher sind in meinen Augen ein erster Schritt, der Diagnose entgegenzuwirken, die ein handsetzender Handpressebetreiber im Gespräch formulierte.

Dieser meinte, dass, bedingt durch die kurzen Publikationswege der elektronischen Veröffentlichungsmöglichkeiten, die Liebe zum Buch und zum Buchdruck immer mehr verloren gehe. Er sagte weiter, dass der Nachwuchs an Bibliophilen schon lange so gering sei, dass die Buchkunst mehr und mehr aussterbe. Dem könnten nun, so meine ich, die oben genannten bibliophilen Kinderbücher Abhilfe bereiten, wenn sie von klein auf wieder den Wert des Buches als Medium unterstrichen, das eben nicht nur das notwendige Übel ist, um Inhalt irgendwie lesbar zu machen.

Ich will dies alles aber hier und heute nicht weiter kommentieren. Der Rest nur kurz: Beim Vorbeischlendern an einem Esoterikstand habe ich gehört, dass in einem der ausgelegten Bücher die Bewohner von Atlantis selbst sprechen würden … Weiterhin erlebt das alte Textadventure-Spiel seine Reinkarnation in Buchform. Und ich hatte das erste Mal in meinem Leben Kontakt mit Independent-Stadtplänen, die nicht nur sehr nett aussehen, sondern gerade für jüngere Zielgruppen attraktiver zu sein scheinen, als Stadtführer, wie man sie sich gemeinhin vorstellt. Es gäbe wohl noch jede Menge Interessantes zu berichten, aber ich denke, dass diese Einblicke die Vielfalt verdeutlichen, auf die man, so man will, auf der Minipressen-Messe treffen kann. – Morgen gibt’s dann noch einen letzten, etwas kürzeren Besuch und dann geht’s via ICE wieder nach Hause. Schade; doch aber gut auch, denn wirklich schön kann etwas nur sein, wenn es nicht ewig währt und zur Gewohnheit wird.

(Der Blog am Sonntag wird übrigens ganz regulär erscheinen, der liegt schon ein paar Tage im E-Schubfach. Am Mittwoch wird es statt des lyrischen Mittwochs ein paar Impressionen der Messe und ein paar abschließende Worte zu ihr geben.)

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Über Sebastian Schmidt

Ich arbeite als freier Lektor (www.lektorat-textbasis.de) und mag gute Bücher. Vor meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich Germanistik und Philosophie studiert (M. A.) sowie als Bibliotheksangestellter gearbeitet. Neben der Zusammenarbeit mit Autoren und Verlagen liebe ich die Musik. Blogadresse: textbasis.wordpress.com Zeige alle Beiträge von Sebastian Schmidt

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