Ausgelassen punkten …

Im Artikel des vorigen Sonntags erwähnte ich an einer Stelle die Auslassungspunkte. Seitdem schwirren mir diese drei Runden im Kopf herum, und die Idee, über diesen Kullerverbund einen separaten Artikel zu schreiben, hat sich hartnäckig festgesetzt. Hiermit gebe ich ihr nach.

Die Auslassungspunkte sind etwas eitel. Man sollte sie daher nicht verwechseln mit ihrer Verwandtschaft, den Satzpunkten. Denn Auslassungspunkte sind ein Satzzeichen und nicht etwa drei. Dazu ein Vergleich:

Faslch
(1) „Ich sah sie und ahnte ..​​.“

Richtig
(2) „Ich sah sie und ahnte …“

Dem kundigen Auge fällt wahrscheinlich schon am Schriftbild auf, dass es Unterschiede zwischen (1) und (2) gibt. Diese entstehen, da es sich bei den Auslassungspunkten nur optisch um drei einzelne Punkte handelt. Eine falsche Verwendung ist daher auch noch später im Druck sichtbar und lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers im ungünstigsten Fall weg vom eigentlichen Inhalt.

Word und andere Programme verschleiern die falsche Zeichensetzung allerdings etwas, da sie die Eingabe von drei aufeinanderfolgenden Satzpunkten automatisch korrigieren. Das ist zweifelsohne gut für den Anwender, andererseits aber schlecht fürs Verstehen. Daher fallen die falschen Auslassungspunkte vorrangig immer dort auf, wo keine automatische Korrektur stattfindet: in E‑Mails, in Plain-text-Dateien aber auch in SMS‑ und Chat-Nachrichten.

Nun möchte ich keinesfalls behaupten, dass es einen großen Unterschied macht, ob Sie via WhatsApp die Nachricht „bin in 5min da..​​.“ oder „bin in 5min da…“ erhalten. Aber wenn es um Ihr Buch, um ihren Text geht, dann sollten diese Detail ebenfalls stimmen. Wie setzt man also sein Wissen um die korrekte Anwendung der Auslassungspunkte konkret um, wenn sich auf der Tastatur dafür keine eigene Taste befindet?

Der umständliche Weg führt über das Kopieren und Einfügen vorhandener Auslassungspunkte. Einfacher ist unter Windows hingegen die Eingabe mittels verfügbarer Alt-Codes. Diese ermöglichen es Nutzerinnen und Nutzern, Zeichen zu erzeugen, die nicht als Tasten auf der Tastatur vorhanden sind, eventuell sogar im verwendeten Zeichensatz fehlen. Durch Halten der Alt-Taste und Eingabe einer spezifischen Ziffernkombination auf dem Ziffernblock lassen sich leicht die gewünschten Zeichen hervorrufen.

Für die Auslassungspunkte lautet diese Kombination „Alt + 0133“ (Apple: Alt + .-Taste). Nach Eingabe des Befehls erscheinen die Pünktchen sofort auf dem Monitor. Womit man zumindest schon einmal auf der sicheren Seite wäre, was die Verwendung des richtigen Zeichens betrifft. Doch damit nicht genug, denn in dem Dreigepunkt stecken noch mehr Schwierigkeiten Möglichkeiten.

Falsch
(3) „Wie bitte? Wo soll hier eine Klippe s …?“
(4) „Unterbrich mich nicht immer, wenn ich…“ – „Mach ich doch gar nicht!“

Richtig
(5) „Wie bitte? Wo soll hier eine Klippe s…?“
(6) „Unterbrich mich nicht immer, wenn ich …“ – „Mach ich doch gar nicht!“

Auch hier findet man die Unterschiede wieder im Detail. Allgemein gesprochen, werden die Auslassungspunkte verwendet, um anzuzeigen, dass etwas vom Satz weggelassen wurde. Dabei unterscheidet man, ob es sich beim Weggelassenen um einen Satzteil wie in (6) oder einen Wortteil wie in (5) handelt. Daraus lässt sich folgende einfache Regel ableiten:

Handelt es sich beim Weggelassenen um einen Satzteil, geht den Pünktchen ein Leerzeichen voraus. Handelt es sich um einen Wortteil, entfällt das Leerzeichen. Wird der ursprüngliche Satz nach den Auslassungspunkten nicht fortgesetzt, ersetzen die Auslassungspunkte den Satzpunkt, jedoch nie Ausrufungs- oder Fragezeichen.

Und weil das alles noch nicht verwirrend genug ist, so können die Auslassungspunkte auch zum Anzeigen von Sprechpausen verwendet, also immer dort gesetzt werden, wo weder Satzteil noch Wortteil weggelassen wird. In diesen Fällen werden die Auslassungspunkte eingeschlossen in Leerzeichen:

Falsch
(7) Ich glaube…ich…kann nicht…mehr.

Richtig
(8) Ich glaube … ich … kann nicht … mehr.

Mir ist bewusst, dass das recht viel ist, was man sich zu solch einem relativ selten verwendeten Zeichen merken soll. (Und wahrscheinlich tröstet der Hinweis darauf, dass es noch einiges mehr zu beachten gibt, das hier des Umfangs wegen nicht auch noch erwähnt wird, ebenfalls nur mäßig.) Trotzdem bin ich der Meinung, dass man gerade durch die Kenntnis solcher Feinheiten seine eigenen Texte verbessern kann. Denn wenn man die Kniffe beherrscht, erschließen sich neue Möglichkeiten für das Schreiben. – Oberflächlich betrachtet, macht es keinen großen Unterschied, ob man schreibt:

(9) „Du sollst beim Kreissägen nicht in die Luft schauen! Schau hinunter zu deinen Händen!“ – „Ist ja gut, ich schau ja schon hin …“
oder
(10) „Du sollst beim Kreissägen nicht in die Luft schauen! Schau hinunter zu deinen Händen!“ – „Ist ja gut, ich schau ja schon hin…“

 … nur eben schade um des Gesellen Finger.

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Über Sebastian Schmidt

Ich arbeite als freier Lektor (www.lektorat-textbasis.de) und mag gute Bücher. Vor meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich Germanistik und Philosophie studiert (M. A.) sowie als Bibliotheksangestellter gearbeitet. Neben der Zusammenarbeit mit Autoren und Verlagen liebe ich die Musik. Blogadresse: textbasis.wordpress.com Zeige alle Beiträge von Sebastian Schmidt

3 responses to “Ausgelassen punkten …

  • Wolfgang Schnier

    Sehr interessant! Ich nehme drei Dinge daraus mit: Mein Handy hat keine Alt-Taste, daher fällt die korrekte Verwendung dort schonmal weg. Daher werde ich im Alltag bei meinen drei Punkten bleiben, wobei ich diese sowieso sehr sparsam einsetze. Und nicht zuletzt: Der Teufel steckt im Detail. Ich habe mir von typographischer Seite noch nie so viele Gedanken um dieses Satzzeichen gemacht! Vielen Dank dafür!

  • Sebastian Schmidt

    Danke für deinen Kommentar, lieber Wolfgang. Freut mich, dass du den Artikel interessant fandest. Das mit dem Handy ist wirklich so eine Sache, ich habe bei meinem auch nachgesehen und ebefalls keine Möglichkeit gefunden, die Punkte richtig einzugeben.
    Aber ich denke, dass die Ersetzung durch drei Satzpunkte völlig legitim ist, wenn technisch keine andere Möglichkeit besteht. Auf Schreibmaschinen hat man ja auch nur die Satzpunkte zur Verfügung.

  • wiesenirja

    Danke für diesen Beitrag!
    Untypographische Auslassungspünktchen ärgern mich nur im Druck (und inzwischen sehe ich selbst da drüber hinweg – man gewöhnt sich halt dran …). Aber dass zwischen ausgelassenem Wort- und Satzteil nicht mehr unterschieden und womöglich noch das folgende Leerzeichen weggelassen wird, das nervt gewaltig!

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