[Mainzer Minipressen-Messe] Sonntag, 02.06.2013 (Impressionen)

Tag 1
Tag 2

Zu Ende ging am vergangenen Wochenende mein dritter Tag in Mainz und damit auch die Minipressen-Messe, welche ich leider ein paar Stunden vor dem offiziellen Ende verlassen musste, um heimwärts zu reisen.

Die Messe war auch an ihrem letzten Tag wieder jede Minute wert, die man auf ihr verbrachte. Abgesehen von einem mittleren Fiasko, an dessen Entstehung ich wohl eine gewisse Teilschuld trage, verlief alles gewohnt friedlich und der Elan der Ausstellenden war ungebrochen, ihre Laune heiter. Ebenfalls schön: die Sonne schien zum ersten Mal so richtig hell vom Himmel herab. Und obgleich der Wind stark brauste, bemerkte man diesen nur dann, wenn man Nahrung und Kaffee nicht an der lokal eingerichteten Bio-Snackbar suchte, sondern kurz nach draußen ging, um Fritten zu holen.

Auf einer dieser Reisen in den Außenbereich der Rheingoldhalle passierte mir dann gegen vierzehn Uhr eine sehr dumme Sache. Die Situation war in etwa die folgende: Es gibt einen Haupteingang und daneben aufgereiht viele alarmgesicherte Notausgänge. Der Weg durch den Haupteingang hinaus zur Frittenbude auf dem Jockel‑Fuchs‑Platz ist der längste, derjenige durch einen der Notausgänge bedeutend kürzer. Einer dieser im Notfall notwendigen Wanddurchlässe war vorsorglich mit dickem roten Band versperrt, das unzweideutig den Eindruck vermittelte: Hier gehst du nicht raus! Bin ich auch nicht, sondern ich bin einen Notausgang weiter nach rechts gelaufen, froh darüber, dass nur der eine Ausgang nicht benutzbar war (schließlich war er der einzig versperrte). Also: zur Tür hin, ein beherzter Druck auf die Klinke – die Tür bewegt sich etwa zwei Zentimeter, dann ist der vordere Teil der Rheingoldhalle erfüllt vom unsäglichen Heulen einer Alarmanlage. Es war grauenhaft und peinlich, alles in Einem. Eilend und eilend fragend und Entschuldigungen herauspustend, fand ich letztlich einen Verantwortlichen, der mir versicherte, dass die Angelegenheit halb so wild sei, das sei schon des Öfteren passiert. Er brachte die Krawallsicherung mit Schlüsselkraft zum Verstummen. Eine vom Lärm besonders heimgesuchte Ausstellerin lobte zwar mitfühlend meinen Einsatz, eine Lösung für das von mir verschuldete Lärmproblem gesucht zu haben, da bisher alle Auslöserinnen und Auslöser immer geflüchtet seien, aber irgendwie macht das die Sache auch nicht besser. Nach ein paar letzten Entschuldigungen habe ich dann recht zügig den Weg hinaus durch den Haupteingang und zur Pommesbude gesucht. Ich schiebe die Schuld auf die verwirrende Absperrung, alle anderen wahrscheinlich auf mich. Moral: das nächste Mal gleich die 100 Meter Umweg gehen.

Doch diese kleine Episode soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Erwähnenswerteres gegeben hat. Erneut konnte ich mit vielen Verlegerinnen und Verlegern ins Gespräch kommen und erneut waren diese Gespräche lehrreich, interessant und immer freundlich. Ein Verleger erzählte mir von einer ganz gewitzten Idee für E‑Book-Anthologien, die ich hier jedoch nicht im Detail wiedergeben möchte. Sie nutzt auf jeden Fall die elektronischen Publikationsformen, bietet die Möglichkeit einer Individualisierung, optimiert die Bearbeitungszeiten für das Lektorat und steigert langfristig die Qualität der so entstehenden Erzeugnisse. Die Idee befindet sich zwar derzeit noch im Ideenstadium, aber ich denke, dass sie Potenzial hat, sehr interessante Ergebnisse zu liefern, sofern sie umgesetzt werden sollte.

Weiterhin scheint ein interessantes Konzept für Kleinverlage darin zu bestehen, dass sie sich thematisch öffnen. Ein überaus sympathischer Verleger bietet nunmehr schon einige Jahre eine Mischung aus wissenschaftlicher Literatur, erzählendem Sachbuch und Belletristik im Genre Kriminalliteratur an und hat in allen Segmenten durchaus interessante und anschauliche Veröffentlichungen ausliegen. Die Mischung sei zwar thematisch nicht unter einer Überschrift zu führen, andererseits sichere die Verlagerung und Hinzunahme publikumsorientierter Veröffentlichungen das finanzielle Bestehen. In meinen Augen ein Kompromiss, den man durchaus eingehen kann, solange die Qualität in allen Sparten erhalten bleibt. —

Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei der gesamten Redaktion der Asphaltspuren, bei Verena Rotermund vom Salonlöwe Verlag und selbstverständlich auch bei Michael Fischer von der Dahlemer Verlagsanstalt. Bei ihnen allen tauchte ich immer wieder am Stand auf, und immer wieder empfingen sie mich voller Herzlichkeit. Sie machten aus einem bloßen Aufeinandertreffen ein richtiges Zusammenkommen. Dankeschön!

Abschließend nun noch ein paar Impressionen aus Mainz und von der Messe:

Lebenskraft vor Mainzer Rathaus (1)

Andreu Alfaros Skulptur „Lebenskraft“ vor dem Mainzer Rathaus (1)

Lebenskraft vor Mainzer Rathaus (2)

„Lebenskraft“ vor dem Mainzer Rathaus (2)

Lebenskraft vor Mainzer Dom

„Lebenskraft“ vor dem Mainzer Dom

Rheingoldhalle morgens

Rheingoldhalle am Morgen

Lichtwolf

Lichtwolf – Zeitschrift trotz Philosophie

Edition Sand

Edition Sand

Salonlöwe

Salonlöwe Verlag

Kranichsteiner Literaturverlag

Kranichsteiner Literaturverlag

Mantikore

Mantikore-Verlag

Dahlemer Verlagsanstalt

Dahlemer Verlagsanstalt

Asphaltspuren

Asphaltspuren Literaturzeitschrift

schPeZi-Presse

schPeZi-Presse

Algenbart

Algenbart Kinderbücher

ViaTerra Verlag

ViaTerra Verlag

In zwei Jahren steh’ ich wieder vor dir, Rheingoldhalle, Mainzer Minipressen-Messe, so schön die Zeit war, so schön wird sie auch wieder werden, dessen bin ich mir sicher; und ich freue mich schon jetzt darauf.

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Über Sebastian Schmidt

Ich arbeite als freier Lektor (www.lektorat-textbasis.de) und mag gute Bücher. Vor meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich Germanistik und Philosophie studiert (M. A.) sowie als Bibliotheksangestellter gearbeitet. Neben der Zusammenarbeit mit Autoren und Verlagen liebe ich die Musik. Blogadresse: textbasis.wordpress.com Zeige alle Beiträge von Sebastian Schmidt

7 responses to “[Mainzer Minipressen-Messe] Sonntag, 02.06.2013 (Impressionen)

  • GOOD WORD FOR BAD WORLD

    Das mit der Tür! Hahahahahahhahaha 😀
    Ein Notausgang, den man nicht benutzen darf, ist eh kein Notausgang.
    Eine Not hast auch, wenn dir z.B, schlecht würde. Luft in Messehallen, stundenlang auf den Füßen, kommt vor.
    Stell mal vor, dann plärrte das Ding los….. Ginge es einem gleich besser! :-))

    • Sebastian Schmidt

      Da magst du recht haben. 😀 Ist übrigens eine interessante Überlegung, das mit der Kombination von Notausgang und Alarmsicherung … aber wahrscheinlich wollte man verhindern, dass man allzu leicht die oft sehr teuren bibliophilen Ausgaben wegträgt.

      Oder ich hab irgendwas falsch gemacht beim Öffnen der Tür … aber das klingt jetzt auch komisch, denn wenn es erst einmal so weit ist, dass man unsicher wird, wie man eine Tür öffnet … na ich weiß auch nicht so recht, was da genau los war.

      Aber es haben alle mit Humor genommen, auch wenn mir selbst bei der Sache nicht nach Lachen war. Das Schönste war dann übrigens noch ein überaus schlagfertiger Besucher, der mir unverhohlen mitteilte, dass das ganz sicher sehr teuer werden würde; so einen Alarm löse man nicht umsonst aus! Zum Glück irrte er sich.

      • GOOD WORD FOR BAD WORLD

        Hahahahaha… 😀
        So ein Hirni. Der dachte wohl an Notbremse-ziehen im Zug.
        Ist wie beim Einkaufen: Einer rennt immer falschrum durch den Kassenbereich und klickt das Türchen auf. 🙂

  • Wolfgang Schnier

    Vielen Dank für Deinen Bericht. Mir sind auf Messen irgendwie immer zu viele Leute, das ist total stressig. Daher meide ich sie in der Regel lieber. Aber das mit dem alarmgesicherten Notausgang hat sich schon bis bei mich herumgesprochen. Ich finde das ist nichts ungewöhnliches. Aber gut, wenn es so glimpflich ausgegangen ist.

    • Sebastian Schmidt

      Danke, lieber Wolfgang! Es stimmt schon, von Mittag ab waren immer sehr viele Besucher auf der Messe, diese Hauptstoßzeiten habe ich aber etwas gemieden. Doch die Stimmung war gut, auch wenn viele Menschen da waren.

      Die Sache mit der Tür hake ich jetzt einfach ab, das nächste Mal bin ich schlauer. Man lernt eben nie aus und meistens auch nur durch Fehler. Beides hat sich wieder einmal bewahrheitet. 😀

  • Axel Pfleger

    Messen sind doch immer interessant, wenn man sich für die Produkte interessiert. Ich war vor kurzem auf einer Kleinmesse für Pinnwände, da unsere Firma einige benötigt. Es ist schon erstaunlich, wie sich diese weiterentwickeln.

  • GEDichTE. Überlegungen zum lyrischen Ich entlang dem Lyrikband Privataufnahme. | textbasis.blog

    […] der Mainzer Minipressen-Messe 2013 steckt ein Gedichtbändchen in meinem Regal, dem ich schon lang überfällig ein paar Worte […]

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