Monatsarchiv: Dezember 2013

Schreiben in der Weihnachtszeit

Es geht in schweren Stiefeln auf den vierten Advent zu und auch wenn der Schnee noch ein bisschen fehlt, schleicht sich die feierlich-hektische Stimmung doch mehr und mehr in den Alltag. Es ist Weihnachten bald – und darum möchte ich allen lieben Menschen, denen ich dieses Jahr real oder im Internet begegnet bin, danken. Dazu gehört ihr, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des lyrischen Mittwochs, die ihr euch all meinen Fragen ausgesetzt und dadurch den textbasis.blog bunter gemacht habt. – Dazu gehören natürlich auch alle Freundinnen und Freunde, die ich im Laufe des Jahres kennenlernen durfte und auf deren E-Mails und Nachrichten ich nicht mehr verzichten möchte. – Auch über die engen Bloggrenzen hinaus möchte ich allen Menschen meinen Dank aussprechen, die mich unterstützt haben, und allen, die sich von mir haben helfen lassen. Es ist, was es ist: Ohne euch wäre mir langweilig gewesen dieses Jahr – und glücklich kann ich sagen, dass mir dieses Schicksal gänzlich erspart geblieben ist. Herzlichen Dank dafür und fröhliche Weihnachten!

Doch da es hier auch ein wenig um Schreibtipps gehen soll, will ich den Bogen einmal zurückspannen zum Thema. Schreiben in der Weihnachtszeit mag auf den ersten Blick etwas kurios anmuten, denn gerade an Weihnachten räumen sich doch immer viele andere Dringlichkeiten den Weg frei in den Alltag. Eventuell gehören auch Sie zu den Menschen, die Weihnachten und die Feiertage darauf verzichten, viel zu schreiben, um dann im neuen Jahr, nachdem all die Hektik langsam wieder nachlässt, verstärkt Buchstabenwälder zu schaffen. Die Frage, die ich mir gestellt habe, war die: Wie kann man die stressige Zeit dennoch nutzen, um der Schreiblust nachzuhängen, ohne lange Stunden des Nachdenkens und der Arbeit investieren zu müssen?

Meiner Meinung nach, sollte man sich dazu ganz grundsätzlich an den kürzeren Formaten orientieren – ich spreche in diesem Zusammenhang jedoch nicht von der Lyrik, sondern von den kürzen Prosaformen. Anders, als es oft hier auf dem Blog geschrieben wurde, empfehle ich dieses Mal eine Methode, die ganz und gar abweicht von der genauen Planung des Textinhalts und sich an einem Muster der Vorweihnachtszeit orientiert: der Hektik. Hektik zeichnet sich dadurch aus, dass ein bestimmtes Ziel in weniger als der vorhandenen Zeit zwingend erreicht werden muss. So soll es denn auch beim Schreiben in der Weihnachtszeit sein.

Diese Übung des Weihnachtsschreibens hat thematisch nichts mit Weihnachten zu tun, thematisch sind Sie völlig frei. Ihre körperliche und geistige Verfassung sollte unterdes nicht nur von Hektik geprägt sein, ein bisschen Zeit sollten Sie sich einräumen, sonst funktioniert es nicht; allerdings im Text, da wird es hektisch hergehen! Versuchen Sie doch einfach einmal dieses: Folgen Sie blind den Ideen in Ihrem Kopf, das Erstbeste, das Ihnen lustig, interessant oder absurd erscheint, nehmen sie als Aufhänger für Ihren Text – und danach hauen Sie in die Tasten und Schreiben ohne darüber nachzudenken, warum Sie gerade schreiben oder wo Sie am Ende herauskommen werden. Sobald Ihnen eine neue Idee kommt, ein interessanter Gedanke, den Sie vor Schreibbeginn nicht hatten, hängen Sie ihm schnellstmöglich nach und biegen Ihre Geschichte um ihn herum, sodass immer mehr ein kurzer, sprunghafter Text entsteht, der ganz und gar dem Schreibfluss entsprungen ist. Während des Schreibens denken Sie sich eventuell noch ein Ende aus, das so gar nicht zum Rest des Textes passen will. Dann biegen Sie einmal scharf ab und schreiben auf dieses Ende zu, ohne auch nur einmal die Finger still über der Tastatur zu halten.

Sobald diese kleine Gedankensturmskizze geschrieben ist, verfahren Sie damit, wie Sie möchten; denn nicht das Ziel, sondern der Weg ist, worauf es dabei ankommt. Neben aller Leichtigkeit und Tändelei zielt diese Art des spontanen Schreibens auf ganz essentielle Fähigkeiten ab, die durch sie trainiert werden können: Einerseits üben Sie, schneller zu denken, als Sie schreiben. Das schult die Fähigkeit, einen eigenen Textfluss zu entwickeln und seine Gedanken schnell ausdrücken zu können. Andererseits trainiert es auch das Denken selbst, denn durch das Sprunghafte sind Sie gezwungen, Wendungen zu erdenken und Sackgassen zu verknüpfen, von denen Sie kurz vorher noch nicht einmal wussten, dass sie existierten. Nicht zuletzt kann man bei dieser Art zu schreiben auch üben, korrekt und richtig zu schreiben. Versuchen Sie so viele richtige Kommas zu setzen und so viele rechtschreiblich korrekte Wörter wie möglich zu tippen – nach einer Weile werden Sie feststellen, dass man dadurch effektiv die Qualität seiner Erstversion steigern kann und sich einige Textarbeit im Nachgang erspart. Dennoch: Jegliche durchrutschende Fehler werden rigoros ignoriert und nicht während des Schreibens verbessert! Hier kommt es auf den flüssigen Schreibprozess an, welcher Zweck der Übung ist. Nicht zuletzt soll es einfach nur eine Menge Spaß machen, gedankenlos dreinzuschlagen in die Tasten und und am Ende dort rauszukommen, wo man nicht einmal erahnt hätte hinzugelangen.

Diese kleinen Skizzen lassen sich dann nachträglich auch gut für einen witzvollen Vortrag in kleiner Runde verwenden, um einmal ein bisschen ausgefallene Unterhaltung zu bieten und zu interessanten Gesprächen anzuregen. – Schlussendlich jedoch gehören die Ergebnisse dieser Übung der seltsamen Textgattung an, deren finaler Abgang in den Papierkorb keinen allzu großen Verlust bedeutet, also scheuen Sie sich nicht, die Ergebnisse mit einem Lächeln in den Papierhimmel zu schicken. Diese Übung soll in erster Linie das Schreiben an sich trainieren und die Ideenfindung im kreativen Prozess. Sie soll keine Texte für die Ewigkeit schaffen – die können Sie dann nachher, wenn es wieder ruhiger ist, in aller Ausführlichkeit strukturieren und planen, um sie danach wie von Geisterhand niederzuschreiben.

In diesem Sinne: Hohoho! Allen friedliche Weihnachten und eine schöne Zeit zum Jahresende.

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-Blindverkostung- Jubiläums-supersonderspezialfolge 10

Liebe Leserinnen und Leser,

meine Freude war groß, als Matthias Engels mich fragte, ob ich an der zehnten Folge der Blindverkostung teilnehmen wolle – voller Freude sagte ich zu.

In der Blindverkostung wird den Teilnehmern ein Gedicht serviert, ohne ihnen zu verraten, welche Autorin oder welcher Autor sich dahinter verbirgt. Gemeinsam mit den Autorinnen Stefanie Jerz und Hanna Scotti haben wir drei uns an den zu verkostenden Versen entlangprobiert, allerlei Vermutungen angestellt und – hoffentlich – einige interessante Facetten des Textes herausgefunden.

Ich danke Matthias Engels und den reizenden Diskussionsteilnehmerinnen ganz herzlich für das schöne Gespräch und die Einladung. Möge die Blindverkostung noch lange bestehen mit ihrem ganz wunderbaren Ansatz, Lyrik unverstellt in den Fokus zu rücken.

DINGFEST

BildDie 10.Folge -Blindverkostung-
ein kleines Jubiläum, das eine Spezial-Folge rechtfertigt, denke ich!

XXL Anders als bei den 9 vorangegangenen Folgen stellt sich nicht EIN Autor einem Text, dessen Verfasser er nicht kennt, sondern gleich DREI!

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Mutig und motiviert erklärten sich
Stefanie Jerz, Hanna Scotti
& Sebastian Schmidt
bereit, sich auf das Experiment einzulassen und so präsentierte ich Ihnen unten stehendes Gedicht, ohne irgendwelche weiteren Informationen. Meine Fragen beantworteten sie im für diese Zwecke hervorragend  geeigneten Service: edupad.ch, der einen direkten Austausch und spannende Interaktion ermöglicht. So präsentiere ich nun mit Freude unsere 10. Folge und wünsche viel Spaß mit der literarischen Schnitzeljagd meiner drei Probanden!

Hier der Text, den ich den Dreien vorlegte:

rückwärts

Herzlich willkommen zu unserem kleinen Lyrik-Experiment.
Vielleicht wollt ihr euch kurz selbst vorstellen? Na?- Ladies first?:
lllllllllllllllllllllllll
Stefanie Jerz:
Ich fasse mich jetzt einfach als Lady auf und mache den Anfang.
Ich schreibe,  seit ich denken kann…

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