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Lektorat: Chancen und Vorteile

Liebe Autorinnen, liebe Autoren,

auf dem textbasis.blog versuche ich, für Sie interessante Artikel zu den Themen Textbearbeitung und Texterstellung zu veröffentlichen. Überdies soll die Reihe „Der lyrische Mittwoch“ Ergebnisse kreativen Schreibens vorstellen und den Blick hinter die Buchstaben und auf die Verfasserinnen und Verfasser freigeben. – Es wäre schön, wenn Sie auf diesen Seiten Inspiration und Motivation fänden, um mit Begeisterung an Ihren eigenen Texten zu feilen. Denn der Weg zu einem wirklich guten Text ist lang und beschwerlich, kostet viel Willenskraft und Lernbereitschaft – doch niemand hat gesagt, dass Sie diesen Weg immer allein gehen müssen.

Die Vorteile eines lektorierten Textes

Oft ist es schwierig, die nötige Distanz zu den eigenen Texten herzustellen, und eines kann kein (Schreib)Training je ändern: Es ist und bleibt Ihr Text; Sie werden ihn nie mit gänzlich fremden Augen lesen können. – An diesem Punkt hilft ein externes Lektorat sehr oft, um Ihren Text nüchtern zu betrachten und gegebenenfalls zu verbessern und aufzuarbeiten. Ein lektorierter Text besitzt wesentlich bessere Chancen verlegt zu werden, da er stilistisch und orthografisch optimiert und den Ansprüchen der Verlage angepasst wurde.

Die Zusammenarbeit mit einem Lektor bietet darüber hinaus einen weiteren Vorteil: Sie profitieren von seinen Branchenkontakten und die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Verlag für Ihr Manuskript zu finden, ist deutlich höher. Unverlangt eingesandte Manuskripte liegen bei den Verlagen oft sehr lange, bis sie gesichtet werden (aufgrund der Masse täglicher Zusendungen). Die Empfehlung eines Lektors, der Ihr Manuskript mit all seinen Stärken kennt, verkürzt diese Wartezeit in vielen Fällen erheblich.

Manuskripte einsenden

Ich würde mich freuen, Ihr Manuskript zu lesen und Ihnen bei der Verlagssuche zu helfen, gleich ob Sie einen Fachtext, Gedichte oder einen Roman verfasst haben.

Dazu senden Sie mir bitte die ersten 30 Seiten Ihres Manuskriptes sowie eine Textzusammenfassung (oder Ihr Exposé) an die unten genannte E-Mail-Adresse. Nach Eingang des Manuskriptauszuges nehme ich Kontakt zu Ihnen auf. Danach prüfe ich, ob ein Lektorat Ihres Textes ratsam erscheint oder ob er eventuell schon verlags‑ und druckfertig aufgearbeitet ist. Nach Abschluss dieser Überprüfung melde ich mich erneut bei Ihnen und wir besprechen gemeinsam das weitere Vorgehen. Mit Zusendung Ihres Manuskriptauszuges gehen Sie selbstverständlich keinerlei Verpflichtungen ein,

Bitte senden Sie Ihre Manuskriptauszüge per E-Mail oder über den Postweg an mich. Die Kontaktdaten für alle Zusendungen finden Sie hier.

Ich freue mich auf Ihre Texte und eine vertrauensvolle und fruchtbare Zusammenarbeit.

Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Schmidt

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[Nahdenken! #2] Kreativ kopiert, verliert

Über rollende Rubel freut man sich, überrollende Rubel dagegen können schnell wehtun. Herzlich willkommen zum zweiten Artikel in der Kolumne „Nahdenken!“

Es geht um das: Geld. Und es geht um das: Schreiben. Beide fügen sich oftmals nicht in die Verbindung, die man sich wünsch, besonders dann nicht, wenn man selbst Autor ist. Man schreibt zwar, aber das liebe Geld will nicht so richtig. Viele Autoren kennen die Situation und es ist vor allem für Erstveröffentlichungen schwierig, den Absatz zu finden, den man sich erhofft. Es ist schwer dahin zu kommen, dass sich die viele Zeit, die man ins Schreiben gesteckt hat, auszahlt. Das kennen viele und daran lässt sich auch nichts ändern. Der Beruf des Schriftstellers ist einer, der Mut erfordert, aber auch einer, der neben allem Mut immer vom Wohlwollen der Leser und oft von der Veröffentlichung bei einem Verlag abhängt. Doch wie kommt man nun verflixt nochmal dahin, dass sich die Mühe und all das Herzblut endlich lohnen?

Eine Antwort – und das ist gerade diejenige, von der ich abraten möchte – ist das kreative Kopieren von Stoffen, Perspektiven und Trends. Kreativ nenne ich es deswegen, da ich fest davon überzeugt bin, dass jedes Kopieren immer vor dem Hintergrund einer eigenen Vorstellung stattfindet. Meint: Ich lese etwas, es gefällt mir und es ist erfolgreich, ich mach es auch so. Prinzipiell ist dagegen natürlich nichts einzuwenden, denn man plagiiert schließlich nicht, sondern man lässt sich lediglich stark inspirieren. Das ist in Ordnung, aber das kann schnell gefährlich werden.

Denn jeder kennt das Gefühl, wenn man ein Buch ermüdet aus der Hand legt, weil man das Gefühl hat, es so ähnlich schon tausendmal gelesen zu haben. Und wenn das passiert, dann kommt es gar nicht erst dazu, dass der Rubel an Fahrt gewinnt, und dann kommt er auch nie bei einem selbst an. Denn der Widerspruch liegt schon in der Überlegung, die hinter einem solchen Vorgehen steckt: Ich mach es wie andere! Aber wenn ich etwas wie jemand anderes mache, so ist das Ergebnis immer: etwas, das ich mache wie jemand anderes. Das klingt blöd, aber es ist so. Das „ich“ bekommt man nicht weg, man wird nie zum Original, man bleibt der, der nachmacht (wie kreativ auch immer).

Betrachtet man das aus finanzieller Perspektive, dann sieht das folgendermaßen aus: Etwas ist gut und neu und erfolgreich – es bringt viel Geld. Das will man natürlich auch. Wenn man es nachmacht, dann kann es immer noch gut sein (und eventuell auch erfolgreich), aber es wird natürlich nicht zu etwas Neuem. Das liegt ja in der Natur der Sache. Nun ist es aber gerade so, dass die bekanntesten Autoren auch diejenigen sind, von denen man gern etwas nachmachen möchte (denn man findet es ja gerade mit vielen anderen Lesern zusammen gut, deswegen wird es ja erst erfolgreich). Verständlich, aber das kann langfristig doch nicht das Ziel sein, wenn man mit ganzem Herzen schreibt! Man will doch nicht nur den Profit, man will doch auch zu einer Schriftstellerin oder zu einem Schriftsteller werden, von dem die anderen abschreiben wollen!

Natürlich wieder einmal leichter gesagt, als getan. Aber ich denke, dass jeder, der sich dem Schreiben verschrieben hat (Entschuldigung!), dies tut, weil es ein innerer Drang ist und nicht, weil man schnell Geld machen will (dies wäre das wünschenswerte Ergebnis, keine Frage). Doch das schnelle Geld als Autor zu verdienen, ist in etwa so wahrscheinlich, wie das schnelle Geld beim Lottospielen einzuheimsen. Mit einem Unterschied, wohlgemerkt! Beim Lotto stehen die Chancen immer gleich schlecht, beim Schreiben kann man seine Chancen beeinflussen. Und ein erster Schritt dazu ist der, dass man dem Leser auf keinem Fall das Gefühl vermittelt, dass er schon tausendmal gelesen hat, was er dort vor sich sieht.

Was heißt das bis hierher? Kreatives Kopieren kann gut und erfolgreich sein, aber es wird nie zu etwas führen, das für viele andere inspirierend wirkt. Drei Gründe, warum das langfristig schlecht ist: man wird unzufrieden mit sich selbst, wenn man nichts Eigenes schafft; man läuft Gefahr den Leser zu langweilen; man wird für andere nie das Vorbild sein, von dem man selbst kreativ kopierte (weil man nichts Neues, nicht Kopierwürdiges schafft). Schlussfolgerung: Immer etwas völlig Neues erfinden! Um Gottes Willen, bloß nicht. Die Schlussfolgerung ist natürlich völliger Mumpitz und keinesfalls, wozu ich als Alternative raten möchte. Denn wenn schon nicht allen gelingt, ein Buch gut kreativ zu kopieren, so gelingt es nur den Allerwenigsten, eines ganz neu und innovativ zu machen. Richtige Schlussfolgerung: an dem orientieren, was es schon gibt. Das klingt jetzt wie ein Widerspruch, ich weiß.

Dennoch liegt darin der erste Schritt, ein Buch zu Scheiben, was der Verleger im Programm haben will und was der Leser bis zum Schluss gierig in der Hand hält. Denn ich meine nicht, man soll sich an dem orientieren, was es schon gibt im Buchhandel, sondern, was es in einem selbst schon gibt. Denn wenn ich schreibe, wofür ich mich interessiere, dann wird es zu etwas, das ich gemacht habe, wie ich es will – und darin liegt schon der ganze Unterschied zu dem Satz weiter oben, wo es hieß: „so ist das Ergebnis immer: etwas, das ich mache wie jemand anderes.“ Nicht das „ich“ muss weg, damit man sich möglichst dem „jemand anderes“ annähert! Das „jemand anderes“ muss weg.

Indem man dieses „jemand anderes“ von sich wegschiebt, sollte man sich aber auch keinesfalls isolieren. Viel zu lesen und vieles gut zu finden (und auch vieles schlecht), ist Grundvoraussetzung jedes Schreibens. Aber der Satz „Ich will wie jemand anderes“, der muss verschwinden. Her muss: „Jetzt will ich!“ – und dann wird in die Tasten gehauen bzw. beginnt man dann, sich sein Buch auszudenken. Inspirieren lassen, natürlich. Kreativ kopieren: bitte nicht.

Denn wenn der Rubel rollen soll, dann darf weder der Verleger das Gefühl haben: „Nichts Eigenes drin, weg damit“ und auch der Leser darf nicht denken: „Schon wieder immer dasselbe!“ Und da der Verlag nicht will, dass der Leser so etwas denkt, wird er es auch selbst merken und eventuell von einer Veröffentlichung absehen. – Daher kommt dann auch der viele Mut, der zum Schreiben nötig ist. Denn man muss sagen: Ich mach das jetzt, wie ich es will, auch wenn zurzeit viele es anders machen; denn ich will das. Come hell or high water! Und glauben Sie mir, wenn Sie es machen, wie Sie es wollen, dann merken das auch Verlag und Leser, dass hier ein Autor das gemacht hat, was er wollte – und nicht, was er kopieren wollte.

Das ist das Geheimnis. Und jetzt braucht es nur noch die ganzen anderen Dinge, die für gutes Schreiben nötig sind: Begabung, Ausdauer, gute Ideen, viel Zeit und Geduld – die Liste könnte noch sehr viel länger werden, aber ich fasse zusammen. Wenn Sie das Geheimnis (was eigentlich gar nicht so geheim ist) erkannt haben, dann braucht es: den Mut der Autorin, den Mut des Autors. Denn ohne den geht gar nichts. Nicht einmal, etwas zu kopieren (besonders dann, wenn es nicht kreativ kopiert wurde) … man weiß ja durch die Medien, wozu das im schlimmsten Fall führen kann und dass das oft mit Rücktritten verbunden ist.

Denn dann wurde man vom Rubel überrollt: Man will ihn, man greift nach ihm, man bekommt ihn, doch dann erwischt er einen, und man liegt da. Man war wer, aber man hat nichts hinterlassen (außer sich selbst auf dem Boden). Um Freund mit dem Rubel zu werden, muss man zuerst Freund mit sich selbst sein. Denn die Freundschaft zum Rubel ist immer eine tückische, die zu sich selbst eine notwendige.


[Nahdenken! #1] Auf Lesenszeit

Willkommen zum ersten Beitrag in der Kolumne „Nahdenken!“. In unregelmäßigen Abständen werden unter diesem Titel kurze und griffige Texte zu diversen Themen veröffentlicht werden. Auf dass sie zur herzlichen Diskussion anregen!

Hin und wieder hört man davon, dass immer weniger gelesen werde und, wenn man gerade einer sehr betrübten, pessimistischen Meinung begegnet, dass dies auch der Grund sei, dass Alles immer und immer schlechter wird. Man meint aus manchen Argumentationen den Kulturpessimisten laut schreien zu hören: „Und ich hatte doch Recht, schon immer!“. Und – ganz ehrlich – ab und an fürchtet man, dass es wahr sei.

Doch die Angst, dass immer weniger gelesen werde, hat verschiedene Hintergründe. Prominentester unter diesen ist die aktuelle Situation des guten alten Buches. Begehr Bibliophiler weltweit und schönste Handreiche für Vokabelverliebte, muss es aufgrund seiner elektronischen Verwandtschaft eventuell schon bald die Aufnahme in die rote Liste aussterbender Medienarten fürchten; und obgleich es nicht Thema dieses Beitrages ist, so hoffe ich, hoffentlich mit Ihnen zusammen hoffend, dass das E-Book nicht die MC des Tonbandes wird (was in Anbetracht der Tatsache, dass sich die LP noch immer großer Beliebtheit erfreut, glücklicherweise nur schwer vorstellbar ist).

Doch selbst wenn, und in diesem „wenn“ steckt viel melancholische Liebe, wenn es eines Tages überraschenderweise soweit sein sollte, dass das Lesen eines Buches im Lieblings-Sessel als nostalgischer Spleen angesehen wird, selbst dann wird mit der Abkehr vom Buch doch nicht die Abkehr vom Lesen erfolgen. Denn gelesen, so die These hier, wird immer und vor allem immer mehr.

Die Frage, die sich bei allen Überlegungen rund um den Rückgang der Lesewilligkeit der breiten Masse anonymer Leser stellt, ist doch die folgende: Was wird denn eigentlich immer weniger gelesen? Die Antwort darauf lautet, etwas abstrakt formuliert: Weniger gelesen werden kann immer nur ein Medium. Der Text als solcher bleibt und wird lediglich umdisponiert in eine neue Hülle.

So passiert es denn auch, dass man den Text, obwohl er doch angeblich immer weniger gelesen wird, immer häufiger überall findet. Plötzlich taucht er nicht nur in Form kleiner Zettelchen im Schulunterricht auf, sondern er huscht in Form von SMS oder E-Mail ungesehen von Mobiltelefon zu Mobiltelefon. Zugegeben, über den Textinhalt lässt sich wohl oft und gut streiten, doch dies beweist ja nur eines: dass er zumindest schon mal da ist, der Text.

Noch nicht lange ist es her, dass WhatsApp zum Marktführer kommunikationsorientierter Apps für Smartphones geworden ist. Tausende Nutzer verfassen im Sekundentakt unüberschaubare Fluten neuer Texte und beim Empfänger wird gelesen, was die Leitungen hergeben. Ebenso verhält es sich mit dem Internet als Informationsquelle par excellence. Denn mal eben was googeln, heißt immer auch, mal eben was lesen.

Egal ob auf dem Weg zum E-Mail-Postfach noch eben der Wetterbericht überflogen wird oder ob man beim Nachschlagen auf Wikipedia unbewusst drei Verlinkungen gefolgt ist und sich plötzlich darüber wundert, warum man nicht schon viel eher einmal nachgeschaut hat, was denn die Zahl im Mehl bedeutet. Viele Nutzer kennen wahrscheinlich das Gefühl, eigentlich gar nicht mehr lesen zu wollen, während sie sich von einem Facebook-Profil zum nächsten hangeln, um nur mal eben noch den aktuellen Status von ihm und die letzte Standortdurchsage von ihr zu lesen.

Nun wird man einwenden wollen, dass es wohl einen Unterschied gibt zwischen Tweets und Twain. Zugegebenermaßen ist dies wahr. Doch worin liegt der Grund, dass immer weniger Leser zu Twain greifen und stattdessen lieber hunderte Tweets lesen, die aneinandergereiht auch ein ganzes Buch ergäben? Der Unterschied liegt im Interesse der Zielgruppe. Da wo Twain immer öfter – natürlicherweise unberechtigt – auf der Seite liegen gelassen wird, da buhlen alle Formen moderner Texte um die Gunst der Massen und werden von einem breiten Publikum mit offenen Augen empfangen.

Schade ist es um das wohlige Gefühl, ein Buch in den Händen zu halten und über typografisch makellos gesetzte Seiten genießend und schwelgend zu wandern und einer schönen Geschichte oder einer interessanten Argumentation zu folgen. Darum ist es wahrlich schade, sollte dieses Gefühl zusammen mit dem Buch aus Papier und Druckfarbe einmal verschwinden. Doch selbst dann kann nicht von einem Rückgang der Lesebereitschaft gesprochen werden. Auch ohne Bücher würden die Menschen lesen – und das mehr mit jedem neuen Tag, quasi auf Lesenszeit.

Die Kunst des Momentes besteht darin, die Lesebereitschaft der Menschen durch Verwendung aktueller Textsorten und Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen. Wo Inhalte immer schneller zugänglich und immer länger gespeichert werden, dort werden Menschen gierig auf sie zugreifen. Man stelle sich vor, man poste eine Geschichte auf Twitter, die auch nur ansatzweise interessanter ist, als ein durchschnittlich langweiliges Leben eines Unbekannten. Man stelle sich vor, per WhatsApp ginge die Nachricht ein, dass auf Facebook endlich wieder ein neues Stück Community-Roman online ist. Man stelle sich vor, wie eine neue unendliche Geschichte in der Cloud entsteht, geschrieben von einem Autorenkollektiv dass jede Zahl und jede Grenze sprengt. Man stelle sich all die noch unausgedachten Ideen vor und all die Augen, die verschlingend lesen und lesen und lesen.