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Wie soll das nur enden? Niemand weiß es …, oder: Der Cliffhänger, Teil 2

Ich begrüße Sie herzlich im neuen Jahr und zurück auf dem textbasis.blog. Um nicht selbst dem zu erliegen, worum es in dieser kurzen Artikelserie geht, folgt heute etwas verspätet der zweite Teil zum Thema Cliffhänger als Stilmittel. Ging es im ersten Teil darum, wie und warum genau der Cliffhänger funktioniert, so wird hier geschaut, an welchen Stellen er überhaupt eingesetzt werden kann. Denn nicht jede Stelle in einem Text ist geeignet, Spannung aufzubauen, indem wichtige Informationen verschwiegen werden.

Der Cliffhänger als Stilmittel besitzt, so schrieb ich im ersten Teil, die Möglichkeit, Gefühle beim Leser hervorzurufen. Im Idealfall vermittelt der Cliffhänger das Gefühl großer Spannung und motiviert zum Weiterlesen, im weniger idealen Fall verärgert er die Leser und enttäuscht sie. Die Kunst ist demnach, den Cliffhänger so einzusetzen, dass er an der jeweiligen Stelle im Text die gewünschte Wirkung hervorruft; und hierfür ist es notwendig, dass man weiß, welche Anforderungen eine Textstelle überhaupt an den Cliffhänger stellt. Aus diesem Grund folgen nun ein paar Überlegungen zu den drei wichtigsten Haupteinsatzgebieten – und ohne lang abzuschweifen beginnen wir dabei mit dem Ende.

Das Ende

Das Textende ist wohl die heikelste Stelle für einen Cliffhänger, denn die Gefahr ist dort am größten, den Leser durch unterlassene Informationen zu verärgern. Das Ende eines fiktionalen Textes bedeutet immer Explosion oder Auflösung. Explosion dann, wenn wie in der Suspense-Literatur üblich ein Geschehen mehr und mehr zugespitzt und verdichtet wird, um am Ende einen großen Knall zu erzeugen. Auflösung bedeutet es dann, wenn der Leser sich mit den Figuren auf eine Reise durch den Text begeben hat, um eine Lösung zu finden und so das Gesamtbild der Handlung zu verstehen. Allein aus dieser groben und einfachen Unterscheidung heraus wird deutlich, dass der Cliffhänger immer auch ein Risiko bedeutet, denn einerseits könnte der große Knall zu einem lahmen Verpuffen werden, andererseits ist es durchaus möglich, dass das Auslassen einer lang gesuchten Information am Ende zu Frustration beim Leser führt.

Wie können Sie also vorgehen, wenn am Ende des Textes ein Cliffhänger stehen soll, der die Leser erfolgreich motiviert, auch die Folgebände zu lesen? Die Antwort ist simpel, die Umsetzung erfordert aber etwas Geschick. Überlegen wir: Der Cliffhänger verschweigt etwas, was der Leser wissen will. Wird etwas verschwiegen, was der Leser wissen will, ist er enttäuscht. Jedoch: Wird etwas verschwiegen, so erzeugt das Spannung. Dennoch gilt: Gleichzeitig Spannung und Enttäuschung hervorzurufen, schließt sich aus und ist unmöglich. Doch das ist nur auf den ersten Blick eine unlösbare Situation! Denn kennt man die Muster, die einem erfolgreichen Cliffhänger zugrunde liegen, kann man genau das erreichen.

Haupthandlung und Nebenhandlung

Um die Auflösung schon vorwegzunehmen: Das Geheimnis ist, den Cliffhänger nicht auf die Haupthandlung zu beziehen, sondern auf die Nebenhandlung. Die Haupthandlung ist das, was Ihre Leser an der Stange hält, was sie umblättern lässt. In einem Seitenmarathon lesen sie sich zum Ende und dort erwarten sie, dass dann auch das Ende steht. Daran sollten Sie keinesfalls herumwerkeln, wenn Sie Ihre Leser auch weiterhin behalten möchten. Die Nebenhandlung allerdings, die ist wie geschaffen für Cliffhänger. Alles, was es dazu bedarf, ist gute Vorbereitung und eine spannende Nebenhandlung an sich. Ich verstehe dabei unter Nebenhandlung all das, was nicht direkt zum Handlungsverlauf gehört, also Charakterbiografien, kleine Abenteuer abseits der Haupthandlung, ein zweiter Handlungsstrang, der parallel zur Haupthandlung verläuft et cetera.

Ein Beispiel: Ein Kommissar ermittelt einen Fall, am Ende löst er ihn. Der Kommissar jedoch soll Protagonist einer Romanreihe sein und auch in weiteren Fällen ermitteln. Um Ihre Leser neugierig zu machen, bietet es sich an, am Ende des Textes einen Cliffhänger einzubauen. Gelingt das, werden die Leser sich mit höherer Wahrscheinlichkeit an Sie als Autorin erinnern, wenn Ihre Folgebände erscheinen. Allerdings kann dieser Cliffhänger nicht so gestaltet sein, dass der zu ermittelnde Fall nicht aufgelöst wird, der Cliffhänger muss also die Nebenhandlung betreffen.
Hierfür können nun verschiedene Muster angewendet werden: Zum Beispiel kann sich der Cliffhänger auf die Biografie des Kommissars beziehen, die selbst Teil der Geschichte ist. Die Leser erfahren gelichzeitig die Auflösung des Falls aber die Geheimnisse, die sich in der Biografie verstecken, werden am Ende nicht verraten, eventuell werden die Geheimnisse sogar effektvoll in den Fokus gerückt. Das schafft Spannung durch die Lesersympathie zum Protagonisten und Befriedigung durch die Auflösung des Falls, dem Abschluss der Haupthandlung. Natürlich funktioniert das in jedem fiktionalen Genre, nicht nur in der Kriminalliteratur.

Eine andere Möglichkeit, den Cliffhänger am Textende einzusetzen ist weniger elegant, aber ebenso zielführend. Wir bleiben beim Kriminalfall: Der Ermittler löst ihn, das Rätsel ist keines mehr. Doch dann! Es huscht eine Person durch die Zeilen, die dem gejagten Bösewicht verdächtig ähnlich ist. Sollte dem Ermittler ein Fehler passiert sein, hat er gar nur einen Doppelgänger gejagt? Das ist der Stoff für weitere Bände und der Leser wird gern wieder mit auf die Reise gehen. Dieses Muster knüpft zwar direkt an die Haupthandlung an, da es jedoch keinen Einfluss mehr auf den Abschluss der Geschichte hat, gehört es zur Nebenhandlung. Deren Aufgabe ist es, die Leser an die eigenen Bücher zu binden. Die Gefahr einer solchen Methode besteht darin, dass man schnell unglaubwürdig wirkt, wenn der Cliffhänger zu abwegig ist. Geschickt eingesetzt, hält er jedoch die Geschichte auch über das Buchende hinaus lebendig.

Geteilte Haupthandlung

Ein ähnliches Vorgehen, das allerdings weitaus größerer Planung im Vorfeld bedarf, ist das Aufteilen der Haupthandlung in Teilhandlungen, die mit jeweils einem bedeutenden Ereignis verbunden sind. Das liest sich abstrakt, ist aber leicht erklärt: Man nehme einen verrückten Killer, der die Polizei an der Nase herumführt. Immer wieder mordet er, immer wieder ist er den Ermittelnden einen Schritt voraus. Sagen wir, dass der Killer am Ende des dritten Bandes gefasst werden soll, so muss ihm die Polizei dreimal auf der Spur sein. Am Ende der beiden ersten Bände wird die bandspezifische Tat aufgeklärt oder verhindert, aber der Killer ist noch auf freiem Fuß. Hier entsteht allein durch die Konzeption der Reihe ein geschmeidiger Cliffhänger, der wohl das Paradebeispiel dafür ist, wie am Ende eines Textes Informationen weggelassen werden können, ohne dass der Leser dadurch verärgert wird. Allerdings ist diese Methode auch diejenige, die am meisten Planung und schriftstellerisches Geschick erfordert, muss doch die Konzeption schon von vornherein über mehrere Bände angelegt werden.

Natürlich gibt es noch unzählige weitere Möglichkeiten, mit dem Cliffhänger Spannung zu erzeugen, aber mit Kenntnis dieser drei sind Sie in der Lage, Ihre Manuskripte so zu gestalten, dass am Ende Spannung und Zufriedenheit gemeinsam auftreten. Diese Muster abzuwandeln oder sich neue auszudenken, funktioniert dann auch viel einfacher, wenn Sie sich dessen bewusst sind, wie und warum genau der Cliffhänger funktioniert. Bis hierhin wurden drei Möglichkeiten vorgestellt: 1) eine spannende Nebenhandlung schaffen, die am Ende offen gelassen wird (etwa über die Protagonistenbiografie); 2) gelöste Teile der Haupthandlung infrage stellen (etwa den Bösewicht wieder auferstehen lassen); 3) die Haupthandlung in Teilhandlungen zerlegen und nur die Lösung der Teilhandlung am Ende vorstellen. Wenn Sie bewusst schreiben und sich an diese Muster erinnern, können Sie leicht Ihre Manuskripte professioneller und komplexer gestalten.

Cliffhänger überall: Kapitelende und Prolog

Abschließend sollen noch zwei weitere Stellen vorgestellt werden, an denen der Einsatz von Cliffhängern sinnvoll ist. Da vieles von dem bereits Gesagten wieder zutrifft, fasse ich mich hier kürzer. Als interessante Stellen für Cliffhänger bieten sich neben dem Ende noch der Prolog und das Kapitelende an. Dabei gilt: Je weiter vorn im Text ein Cliffhänger steht, umso mehr dürfen Sie abweichen von dem, was für den Cliffhänger am Textende gilt. Das bedeutet: Am Kapitelende dürfen Sie Ihre Leser ruhig ein bisschen enttäuschen, dass nicht alle Fragen beantwortet wurden. Denn Ihre Leser wissen ja, dass noch einige Seiten vor ihnen liegen, auf denen sie die Lösung finden werden. Achten Sie dennoch immer darauf, dass das Kapitelende das Ende einer Sinneinheit bleibt. Das heißt: Auch wenn nicht alles aufgelöst wird am Kapitelende, so muss doch eine Entwicklung in der Handlung erkennbar sein, muss der Leser Neues erfahren haben. Sonst wird aus dem Cliffhänger ein Gähner, der dazu führt, dass man nicht weiterlesen möchte.
Eine Besonderheit gilt es fernerhin zu beachten: Wenn Sie mehrere Handlungsstränge anlegen, dann sollten diese gleich spannend sein. Denn ist nur einer wirklich spannend und wird dieser mit einem Cliffhänger am Kapitelende abgeschlossen, so kommt es zu der Situation, dass der Leser möglichst schnell über den zweiten, eventuell langweiligeren Handlungsstrang hinwegliest, nur um die Auflösung des Cliffhängers zu erfahren. Das schafft ein ganz und gar unharmonisches Lese-Erlebnis und sollte tunlichst vermieden werden.

Die größten Freiheiten bei der Gestaltung des Cliffhängers lässt Ihnen der Prolog. Dort ist das oberste Ziel, den Leser in Stimmung zu bringen, möglichst viele Rätsel auf den Weg zu werfen, eventuell auch mit etwas zu locken, das so noch gar nicht zum erwarteten Rest des Buches passt. Spannen Sie hier Ihre Leser auf die Folter, ärgern Sie sie ein wenig damit, dass sie nicht gleich wissen, um was es geht. Denn dann, nach einem solchen Prolog, nach dem man neugierig in der Luft hängt, stürzt man sich erst recht erwartungsvoll in die kommenden Seiten. Dennoch gilt hier natürlich auch, das Maß zu wahren: Schreiben sie den Prolog so wie den Rest ihres Buches, schreiben Sie nicht zu reißerisch und erwähnen Sie nichts, worauf Sie später nicht wieder eingehen. Denn dann fühlt sich der Leser betrogen und ist enttäuscht. Dann wirkt der Cliffhänger am Anfang des Textes wie ein missratener Cliffhänger am Ende: Ihrem Erfolg als Autorin oder Autor entgegen, anstatt Ihre Leser mit der Geschichte zu verschweißen und an Sie zu binden. Ich wünsche stilvolles Abhängen!


Wie soll das nur enden? Niemand weiß es …, oder: Der Cliffhänger, Teil 1

Text zitiert aus (mit freundlicher Genehmigung des Autors):

Adriaen Cliffhanger. Sein letztes Abenteuer.“ (S. 643)

„… Adriaen ließ los und stürzte in die Tiefe. Er hatte all die Jahre gesucht, hatte sich verrannt und war dem Tod nicht nur ein Mal haarscharf entkommen. Er schlug hart auf. Weit über ihm schlossen sich gerade die schweren Steintüren, die riesige Halle um ihn herum zitterte. Er wusste, er durfte jetzt nicht an die Schmerzen oder den Rückweg denken, alles was zählte, war die Frau. Sie stand in einem Mantel aus warmem Licht vor ihm, schwebte ein paar Zentimeter über dem Boden. Wer war sie? Der Schatten eines Felsvorsprungs verdeckte hüpfend ihr Gesicht im Schein der Fackeln. Für ihn gab es nur noch den Weg nach vorn, er ging auf sie zu. Langsam legte er seinen Kopf nach hinten, seine Augen fuhren über ihren weißen Körper und über ihre feenzarten Brüste. Wer war diese Frau? Seit zwanzig Jahren suchte er die Antwort, und jetzt sollte er in ihr Gesicht blicken, mit ihr sprechen können? Er konnte sie sehen, ihr Wesen erschien ihm unendlich fremd – und doch so vertraut wie das einer Freundin. Seine Gedanken spielten Himmel und Hölle, ja, es gab sie wirklich, er hatte sie endlich gefunden! Das war das grand final seines Lebens; nun würde alles gut werden …“

Ende

Einleitung

Kaum etwas in der Welt der Literatur ist mit solch schönen Gefühlen behaftet wie der Cliffhänger. Ist er doch am Ende eines jeden Buches Garant dafür, dass man am liebsten in die Seiten beißen würde. Kein Film ist so schön, wie derjenige, der im Kino mit einem romantischen „Fortsetzung folgt …“ endet. – Der Cliffhänger besitzt die Kraft, gleichzeitig unbändige Wut und ein hohes Maß an Ernüchterung hervorzurufen, eine Fähigkeit, die er wohl mit keinem anderen Stilmittel sonst teilt.

Wahrscheinlich sind es gerade solche Beispiele, die den Cliffhänger unbeliebt und etwas anrüchig machen, weshalb sein Einsatz nicht mehr ganz zum guten Stil unserer Zeit gehört. Gerade dann nicht, wenn Leserinnen und Leser aufgrund des stressigen Alltags ohnehin nicht mehr so viel und auch nicht mehr so lang am Stück lesen. Falsch eingesetzt ist der Cliffhänger eine Garantie, dass Sie Ihre Leser verärgern werden, im schlimmsten Fall sogar enttäuschen. Doch was so starke Emotionen auszulösen vermag, das kann unmöglich an sich schlecht sein. Die Kunst ist es also, den Cliffhänger bewusst einzusetzen und so seine nützliche Wirkung auszuschöpfen. Darum soll es in diesem und in den beiden kommenden Teilen dieses Artikels gehen.

Lesen als Reise

Um zu verstehen, wie man den Cliffhänger am besten einsetzt, ist es erforderlich ein bisschen nachzudenken. Nämlich darüber, wie und warum der Cliffhänger eigentlich funktioniert. Dies soll hier daher an erster Stelle geschehen, bevor wir eingehen auf Einsatzmöglichkeiten und Wirkungsweisen. Stellen wir uns zu Beginn die einfache Frage: „Warum nervt es uns, wenn wir am Ende nicht erfahren, wie eine Geschichte ausgeht?“ Die Antwort darauf ist verhältnismäßig simpel und nachvollziehbar:

Jeder der freiwillig einen Text liest, der möchte irgendwie unterhalten werden (sonst würde er nicht lesen). Die meisten Texte sind so angelegt, dass sie von ihrer Struktur her die Leserschaft an die Hand nehmen und sie durch spannendere und weniger spannende Textbereiche führen. Immer so, dass der Leser das Gefühl hat, sacht geleitet zu werden ohne je vor Langeweile einzuschlafen oder in wirrer Action völlig den Überblick zu verlieren. Zumindest im Idealfall sollte das so sein. Damit Lesende jedoch überhaupt an die Hand genommen werden können, bedarf es eines Zieles; und das ist – ganz pragmatisch gesprochen – das Ende des Buches.

Sie haben ihr Ziel (nicht) erreicht

Am Buchende will die Leserin erfahren, warum es sich gelohnt hat, will der Leser erfahren, was er nicht wusste. Nämlich das, was die Geschichte die ganze Zeit ausgespart hatte: ihre Auflösung; ihr Finale; eine letzte große Wendung; ein Rätsel, das plötzlich keines mehr ist; den Kuss der Verliebten oder, oder, oder (nicht selten auch die Rettung der Welt im letzten Moment). So sind wir es als Leser gewohnt und so funktionieren auch die meisten Bücher. Am Ende steht das, was man am Anfang noch nicht wissen soll. Freilich gibt es verschiedene Möglichkeiten, kreativ mit diesem Strukturmerkmal aller Prosa umzugehen. Etwa in der Kurzgeschichte, die oft das offene Ende zum Stilmittel erhebt, um genau zwei oder mehr Lesarten anzubieten, und den Leser, quasi interaktiv, entscheiden zu lassen. Doch das ist die Ausnahme.

Wenn also nun eine Geschichte, zu deren Ende man hin lesen möchte, dieses Ende ausspart, aber vorher im Text keinerlei Hinweis darauf gegeben hat, dass am Ende eben nicht das Ende, sondern lediglich ein Cliffhänger stehen wird – natürlich!, dann enttäuscht das alle, die am Ende auch das Ende erwartet hatten! Dann hat der Cliffhänger es wieder einmal geschafft, er hat erbost, die Leser haben keine Lust mehr. Sie werfen das Buch womöglich in die Ecke oder aus dem Fenster (oder ganz tief ins Regal, da müssen sie es hinterher nicht einmal mehr wegräumen). Und Sie, die Autorin, der Autor, haben nur eines erreicht: Ihr gesamtes Buch zu ruinieren und sich selbst zu schaden. Alles wegen ein paar Zeilen, die ebenso gut noch hätten stehen können.

Denn nichts ist für die Schaffung einer langfristigen Bindung zwischen Ihren Werken und Ihren Lesern hinderlicher, als die Leser nicht strahlend und zufrieden im Lesesessel zurückzulassen. Wenn nicht die Situation entsteht wie nach guten Filmen, wo man noch kurz in Gedanken verharrt und heimlich immer denjenigen verflucht, der zuerst „Ja, war nicht schlecht, oder?“ et cetera sagt, dann fehlt etwas Entscheidendes: Das Glück und die Freude der Leserin, des Lesers, ihr Buch gelesen und es unglaublich toll gefunden zu haben.

Ausblick

Bis hierher scheint der Cliffhänger also recht wenig sinnvoll zu sein, spielt er gerade mit dieser sensiblen Stelle der Leserzufriedenheit. Wenn man nun ein bisschen um die Ecken denkt und nachfragt, wie man dieses gefühlige Verhältnis nutzen könnte, ohne es auszunutzen, dann muss man fragen, an welchen Stellen der Cliffhänger überhaupt eingesetzt werden kann, ganz unabhängig von der Wirkung die er erzielt. Wo also die Stellen im Manuskript sind, wo man auf dieses Stilmittel gewinnbringend zurückgreifen kann.

Im zweiten Teil dieser kleinen Artikelserie wird es um genau jene Fragestellung gehen: Welche Stellen bieten Ihnen als Autorinnen und Autoren die Möglichkeit zum Einsatz des Cliffhängers? Im dritten Teil wird dann zusammen mit den Überlegungen der ersten beiden Teile geprüft werden, wie sich der heikle Einsatz des Cliffhängers risikofrei bewerkstelligen lässt und wie sich das auf das Lese-Erlebnis auswirkt. Doch für nun erst einmal genug Gedankennahrung. Bon appétit!