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Mit Engels‘ Zungen: Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun – brauchen Unterstützung!

Um was es hier geht, ist etwas ganz Tolles! Den Leserinnen und Lesern, die schon länger auf dem textbasis.blog mitlesen, wird Matthias Engels vom Dingfest-Blog wohl ein Begriff sein. Der Autor und Lyriker aus Steinfurt in Westfalen blickt inzwischen auf einige Publikationen zurück und wurde hier schon des Öfteren erwähnt, nicht zuletzt im gemeinsamen literarischen Gespräch mit Wolfgang Schnier und im lyrischen Mittwoch.

Mit Freude darf ich das neue Buch dieses inzwischen zu einem guten Freund gewordenen Federführers ankündigen: Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun. Matthias Engels erzählt darin von einer Begegnung der beiden Schriftsteller Oscar Wilde und Knut Hamsun in Amerika, die eventuell sogar stattgefunden haben könnte – auch wenn sie nirgends tatsächlich dokumentiert ist. Das bietet Raum für reichlich Spekulationen, mag man meinen. Doch Matthias Engels hat in aufwendiger Recherche die historischen Details abgefischt und sowohl den jeweils eigenen Pfad der Akteure als auch ihr Aufeinandertreffen in einem unterhaltsamen historischen Roman zusammengesetzt.

Heikle Passagen

Nun muss das Buch also nur noch erscheinen, und da genau kommen Sie, kommt ihr, liebe Freunde, ins Spiel. Der kladde buchverlag hat sich des Manuskriptes angenommen und dort soll es also auch erscheinen. Das Konzept dieses jungen Indie-Verlages basiert auf dem Prinzip des Crowdfunding: Gegen Vorab-Spenden wird die Buchwerdung finanziert – und sobald der erforderliche Betrag erreicht ist, geht die Post ab. Das Geld ist dabei natürlich nicht leer angelegt: Jeder Spende entspricht ein Gegenwert, Sie kaufen das Buch (oder bei höheren Spenden auch ganz viele weitere schöne und limitierte Dinge) schlicht im Voraus – und dann, kawusch!, fliegt bald schon dieses ganz besondere Büchlein bei Ihnen und euch ein. Start des Fundings ist der 18.05.2014!

Dann steht einem Schmökern im guten Gewissen, dass ein Indie-Verlag und damit die gesamte Indie-Kultur samt Indie-Autor unterstützt wurden, nichts mehr im Weg. Jeder Buchstabe wird süß sein wie Honig und alle Sätze werden ein unglaubliches reiches Bouquet haben. Das klingt zuckrig, jawohl, und etwas Zucker gibt es auch schon im Voraus zu verkosten. Nämlich etwa im folgenden Video, in welchem Matthias Engels sein neues Buch mit eigenen Worten vorstellt.

Also auf zur Funding-Plattform (klick!), etwas Buchliebe kaufen und damit den Mittelweg zwischen Eigenverlag und Mainstream unterstützen: die einzig wahre Indie-Literatur. – Nun los, Sonntag ist Funding-Tag!


[Der lyrische Mittwoch, Folge 10] Haruko – Come Home

Der lyrische Mittwoch begeht sein erstes Jubiläum, die zehnte Folge hat es ans Tageslicht geschafft! Und das wird gefeiert, zu allererst natürlich mit dem Inhalt des heutigen Beitrages. Mit Frohlocken im Herzen darf ich Ihnen Susanne Stanglow vorstellen, die schon seit einigen Jahren unter ihrem Pseudonym Haruko Lieder schreibt und Musik veröffentlicht. Sie lebt derzeit in Berlin und arbeitet an ihrem zweiten Album, das schon im Juni dieses Jahres erscheinen soll; bereits 2009 veröffentlichte sie ihr Debüt „Wild Geese“. Wie ich erfahren habe, laufen sogar bereits die Arbeiten an einem dritten Langspieler. Damit jedoch nicht genug: Der textbasis.blog verlost ein Exemplar des neuen Albums! Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, rebloggt diesen Artikel, schreibt einen eigenen oder kommentiert einfach kurz. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird von mir persönlich informiert und bekommt das Album per Post, sobald es erhältlich ist.

Aber genug des Freudentaumels. Schauen wir uns den Beitrag dieser Woche etwas genauer an. Mir scheint es in ihm um Straßen zu gehen, und das erste Problem mit denen ist, dass sie immer von dort wegführen, wo man sie betreten hat. Und manchmal führen sie so weit weg, dass man zu lang für die Rückreise braucht: wieder am Anfang ist man doch nicht zurückgekehrt. – Das zweite Problem der Straßen ist eher passiver Natur. Denn wer eine Straße entlanggeht, der lässt etwas zurück. Harukos Titel „Come Home“, vom bald erscheinenden neuen Album, erinnert uns an die Zurückgelassenen, er erinnert uns daran, dass nicht jedem Anfang ein Zauber innewohnt, sondern dass es manchmal zu spät ist, um überhaupt neu anzufangen. Und so ruft es ein letztes Mal mit unverwechselbarer Stimme und in wunderbaren Klangfarben dezenter Gitarrenmelodien aus dem Lied –

Come Home

Come home, come home my darling
I am wondering where you did go …
The children are sitting at the window, they keep asking for you
Come home, come home! The kettle’s put on
I’ll make you some tea and some cake
Come home, come home! The water is warm
The children will sit on your lap

Days have passed and weeks have passed
and then months and years …
The children still sit at the window but they stopped shedding their tears
And I stopped cooking dinner for four
And I stopped thinking of you
I thought my heart had found it’s peace
but now I think it’s just gone cold

Then one day you came back to us
I heard your footsteps on the floor
The children were asking „mother, who’s that stranger at the door?“
And I closed the door and I closed my heart
This is not your home anymore!
When the dogs come out to hunt you I won’t open the door

Haruko

Haruko

Textbasis: Herzlich willkommen, Haruko. Ich freue mich, dass du die Zeit gefunden hast, am lyrischen Mittwoch teilzunehmen und diese zehnte Folge mit deiner Musik zu verschönern. Seit wann schreibst du schon Lieder und was bedeutet es dir, Musik zu machen?
Haruko: Die ersten Lieder habe ich mit 15 oder 16 geschrieben, als ich grade angefangen habe, Gitarre zu spielen und ein bisschen dazu zu singen. Es waren allerdings noch sehr unbeholfene Versuche mit ziemlich schlechten Texten, die ich niemandem mehr zeigen würde. Mit 17 habe ich meinen Freund Hlynur Gudjonsson kennengelernt und wir haben angefangen, zusammen Musik zu machen, und ich habe zum ersten Mal Lieder geschrieben, bei denen ich das unbestimmte Gefühl hatte, dass es gut sein könnte, sie nicht mehr nur für mich selbst zu spielen. Was es mir bedeutet, Musik zu machen, ist gar nicht so einfach in Worte zu fassen. Es hat sich alles sehr natürlich entwickelt und ich habe mich nie wirklich gefragt, ob das, was ich mache, richtig ist. Lieder zu schreiben war und ist für mich eine Möglichkeit, mich selbst besser zu verstehen und auszudrücken. Gleichzeitig ist es eine Art Energie, die sich selber lenkt …

Textbasis: Wahrscheinlich ist es auch diese Energie, die einen sofort überwältigt. Zumindest war es bei mir so, ich selbst höre deine Veröffentlichungen ja unglaublich gern und habe mich in deine Musik verliebt. Wie waren die Reaktionen der anderen Hörer auf dein Debüt und den bald erscheinenden Nachfolger?
Haruko: Überraschend gut! Die Aufnahmen für mein erstes Album, „Wild Geese“, sind, kurz nachdem ich die Lieder geschrieben hatte, entstanden und waren auch mit die ersten Aufnahmen, die ich überhaupt gemacht habe. Ich war 18 und hatte keine Ahnung davon, wie man ein Album produziert und habe es alleine zu Hause bei meinen Eltern auf einem kleinen 4‑Spur-Gerät aufgenommen. Die Songs waren eigentlich nur als Demos für meine Internetseite gedacht, aber ein kleines amerikanisches Plattenlabel – Bracken Records – hatte sofort Interesse daran, das Album auf Vinyl rauszubringen. Es gab viele positive Rezensionen auf verschiedenen Blogs, Internetseiten und Zeitschriften und ein paar Anfragen von anderen Labels. Ich habe anfangs alle möglichen beziehungsweise unmöglichen Konzerte gespielt – als Vorband für Punkbands, im Programm zwischen Elektro-Pop und Trash und ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass es trotzdem Leute im Publikum gab, denen die Musik gefallen hat. Natürlich gab es auch schlechte Kritiken, aber ich mache ja schließlich auch nicht Musik, um allen zu gefallen, sondern habe immer nur das gemacht, worauf ich Lust hatte und was aus mir selbst kam, ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen.

Textbasis: Frei aus sich selbst heraus Kunst zu schaffen, das ist auch in meinen Augen der richtige Weg, um langfristig wirklich man selbst zu bleiben. Dennoch muss man sich ja immer ein bisschen an Konventionen halten, also beispielsweise, dass zu einem Lied oft ein Text gehört. Wenn du entscheiden müsstest, was wäre dir lieber: ein gesungener Text oder eine Melodie ohne Sprache? In welchem Verhältnis stehen Text und Musik für dich; und muss eigentlich immer eine Message vermittelt werden?
Haruko: Für mich sind Liedtext und Musik eine zusammenhängende Sache.
Wenn ich Lieder schreibe, habe ich nie vorher einen fertigen Text, sondern fange meist an zu spielen, während sich eine Melodie in meinem Kopf formt, und so langsam fügen sich Textzeilen in diese Melodie ein. Dabei denke ich nicht bewusst über den Text und die Worte nach – es ist eher so, dass die Worte irgendwo aus dem Unterbewusstsein kommen und selbst ihren Platz in dem Lied finden. Zwar denke ich, dass Melodien auch ohne Text für sich stehen können und auch umgekehrt – wie beim Gedicht oder beim Sprechgesang, wo es keine konkrete Melodie gibt –, allerdings fällt es mir persönlich schwer, Text und Musik zu trennen. Und weil ich meist die Texte nicht wirklich bewusst schreibe, versuche ich auch nicht direkt, eine Botschaft damit zu transportieren. Ich glaube, ich erzähle in meinen Texten eher von meinem Innenleben, als dass ich damit irgendetwas vermitteln möchte.

Textbasis: Das heißt ja dann auch immer, dass man ein bisschen abhängig ist von der Muse. Hast du selbst schon Bekanntschaft mit Schreibblockaden machen müssen? Was hilft dir dann dabei, dich selbst zu motivieren, neue Inspiration zu gewinnen?
Haruko: Ja, es passiert durchaus, dass ich mit einem Lied mal nicht weiterkomme. Ab und zu braucht ein Text Zeit, um fertig zu werden, und es dauert eine Weile, bis ich das Gefühl habe, dass alle Worte an ihrem Platz sind. Ich versuche dabei, nichts erzwingen zu wollen, sondern greife die Ideen immer mal wieder auf und meistens ergibt sich dann irgendwann alles von alleine. Bei einem Lied war es zum Beispiel so, dass ich nur den Anfang hatte und der Rest erst ungefähr ein halbes Jahr später dazukam. Ich denke, manchmal fehlen einem einfach noch die Erfahrungen oder Eindrücke, die man gebraucht hat, um etwas zu vollenden.

Textbasis: Dann ist es ja umso besser, dass dein neues Album schon kurz vor der Fertigstellung steht und bald erscheinen wird. Verrate uns doch bitte ein bisschen mehr darüber. Welche Veränderungen gibt es gegenüber dem Debüt „Wild Geese“?
Haruko: Ich werde mein nächstes Album sehr wahrscheinlich auf meinem eigenen kleinen Label herausbringen. Es hat sehr lange gedauert, bis das Album fertig war, daher möchte ich es so schnell wie möglich veröffentlichen, um den Kopf frei zu haben für etwas Neues. Die ersten Aufnahmen für das Album sind im Frühling 2011 entstanden, danach habe ich mit ein paar anderen Musikern aus verschiedenen Ländern zusammengearbeitet: Ich habe ihnen meine Gesangs- und Gitarrenspuren geschickt, sie haben etwas dazu eingespielt und mir zurückgeschickt. Das ist zum Beispiel eine Sache, die das Album von „Wild Geese“ unterscheidet, auf dem ich nur alleine zu hören war.

Textbasis: Wird es zum Album auch eine Tour geben? (Und was ist eigentlich das „echte Lied“ für dich: die unveränderliche Aufnahme oder die immer neue Inszenierung?)
Haruko: Ich werde wahrscheinlich im Herbst ein paar Konzerte spielen, bei denen man das Album dann auch kaufen kann. Wo genau, wird man auf meiner Internetseite herausfinden können.
Das „echte Lied“? Eine Frage über die man lange diskutieren kann! Für mich kann es beides sein. Es gibt Musiker, die ich nur live richtig gut finde, und es gibt Aufnahmen, die 50, 60 Jahre alt sind, die ich mir trotzdem immer wieder mit einer Gänsehaut anhören kann. Ich glaube, es kommt vor allem auf den Moment an – wie fühlt sich der Musiker, ist er emotional mit seinem Lied verbunden? Für mich sind sowohl Aufnahmen als auch Konzerte wichtig, jedoch, wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich für Aufnahmen entscheiden, da man mit ihnen mehr Leute, unabhängig von Wohnort und Zeit, erreichen kann.

Textbasis: Das ist eine sehr schöne letzte Antwort! Vielen Dank für das Lied und die Einblicke in deine Welt, Haruko. Ich freue mich auf dein neues Album und wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deiner Musik. – Möchten Sie mehr hören von der wundervollen Kombination sanfter Stimme und sanfter Melodien? Dann empfehle ich Ihnen einen Blick auf die Webseite der Künstlerin und Harukos Bandcamp-Seite. Dort finden Sie die bisherigen Veröffentlichungen und können ganz in Ruhe ein bisschen die Zeit schöner verstreichen lassen. Und denken Sie daran: Wer heute rebloggt, mitschreibt oder kommentiert, könnte morgen schon gewinnen (nämlich das im Juni erscheinende neue Haruko-Album!)

PS: Wer von Ihnen ebenfalls Lust hat, einen seiner Texte, eines seiner Gedichte oder Lieder hier vorzustellen und ein paar Worte über sich zu sagen, folge mir mit seinem Blog, oder mache auf andere Weise auf sich aufmerksam. Ich würde mich freuen, ein Zeichen von Ihnen zu erhalten.