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[Der lyrische Mittwoch, Folge 9] Anke Müller – Besuch eines Preußler-Protagonisten

Haben Sie gut geschlafen? Ich wünsche es Ihnen – doch wenn nicht, dann wird Ihnen der lyrische Mittwoch heute mit einer frischen Prise Humor helfen, den Tag gut gelaunt anzugehen. Aber immer der Reihe nach. Es ist mir eine Ehre, Ihnen diese Woche die Texterin und Freie Autorin Anke Müller vorstellen zu dürfen. Sie lebt in Nordrhein-Westfalen, arbeitete in einer Werbeagentur in München, produzierte Werbefilme in Düsseldorf und textet derzeit für andere und sich selbst. Auf ihrem Blog veröffentlicht sie Kolumnen und Geschichten aus ihrer „verrückten Familie“, ihr erster Roman befindet sich kurz vor der Fertigstellung. Sie sagt, dass ihre Aufsatzhefte in der Schule von den Deutschlehrern grundsätzlich einbehalten wurden. Ich freue mich, sie und ihre lebhafte Sprache heute hier auf dem textbasis.blog zu haben.

An das „Kleine Gespenst“ von Herrn Ottfried Preußler kann ich mich noch sehr gut erinnern, wahrscheinlich ging es mir damals, wie es unzähligen Kindern noch heute geht: Ich konnte nicht genug vom unfreiwilligen schwarzen Taggespenst bekommen; ich freute mich jedes Mal wieder, mit ihm zur falschen Zeit zu erwachen. – Schöne Kindertage!; und auch das Aufstehen zur falschen Zeit ist im Buch viel spannender, als wenn man in der wirklichen Welt dem Dösen unfreiwillig entrissen wird. Anke Müller erzählt uns in ihrem kurzen Text eine Episode über eine gestörte Nachtruhe, sie erzählt von Gespenstern, die nächtens durch Zimmer schleichen, und Füßen, die steinhart in Rippen treten. Und dennoch: Noch nie war es angenehmer, den Alltag durch die Brille federleichter Sprache zu genießen, ihm das zu nehmen, was ihn alltäglich macht und daraus das besonders Unterhaltsame zu schaffen. Freuen Sie sich nun also bitte auf den –

Besuch eines Preußler-Protagonisten

Letzte Nacht, es muss kurz nach Geisterstunde gewesen sein, stand plötzlich ein kurzes Gespenst in der Schlafkammer. Fahles Licht aus einem anderen Zimmer im Rücken, nur Umrisse waren zu erkennen. Das Hemdchen reichte fast bis zum Boden, die Härchen halblang und zerzaust. – Ich habe mich echt erschrocken.
Aber dann habe ich’s mit Totstellen probiert. Funktionierte auch super, denn mein Mann hob seine Bettdecke an und sagte zu dem Ding: „Komm her, kuschel dich zu mir.“
Ich – weiterhin nicht da. Das sah das Ding wohl auch so und trampelte mir voll in die Rippen. Kaum war es da runter, zog so ein Hirni an meinem Kissen. Habe ich leise geknurrt, woraufhin von meinem Kissen abgelassen wurde.
Als die das neben mir endlich sortiert gekriegt hatten, beugte sich mein Mann zu mir: „Da drüben brennt noch Licht.“
Stimmt“, sagte ich und drehte mich auf die andere Seite.
Mein Mann sank zurück in sein Kissen und begann augenblicklich ruhig und gleichmäßig zu atmen.
So, und dann ging das erst richtig los! Ich wollte gerade wieder einschlafen, rammt ein kleiner Fuß meinen Rücken. Ich sofort hellwach! Doch wer jetzt meint, das Fußding wurde wieder eingezogen – von wegen! Ein zweites kleines Hammelbein bohrt sich unter meine Schulter.
Ich nehme also das Durcheinander und schiebe es dem Vater unter die Bettdecke. Immerhin war es dessen blöde Idee, das Gespenst ohne weitere Fragen ins Bett zu lassen. Ziehe mir die Decke erneut über die Ohren – RUMPS!
So geht das ein paar Mal. Immer energischer schiebe ich das Gebein unter des Vaters Decke. Und immer geschwinder finden die Beinchen zu mir zurück.
Gegen zwei Uhr langt es mir. Ich nehme das kleine Gespenst behutsam auf (man will ja nix wegbrechen) und lege es schön bequem in meinem Bett zurecht. Da seufzt es zufrieden und ein Ärmchen schmiegt sich kurz um meinen Hals.
Ich bin dann ein Zimmer weiter in ein freies Bett mit rosa Hello-Kitty-Bettwäsche umgesiedelt. Das Licht habe ich auch gelöscht. Mein letzter Gedanke gegen 3 Uhr 15 galt dem Vater: Hoffentlich pennt der mindestens genauso schlecht wie ich!
Am Morgen habe ich ihn gefragt. „Und, hast gut geschlafen?“
Klar, selten so gut.“

Anke Müller

Anke Müller

Textbasis: Hallo Anke, schön, dass du heute am lyrischen Mittwoch teilnimmst! Wie ich von dir erfahren habe, schreibst du schon seit deiner Jugendzeit und konntest den Stift seitdem nicht mehr loslassen – zumindest nicht für lange. Erzähl doch mal, was hat dich festhalten lassen an ihm, am Schreiben überhaupt?
Anke Müller: Hallo Sebastian, ich freue mich, dass dir meine Gespensternacht gefällt! Schreiben bedeutet für mich ordnen. So wie Wäsche zusammenlegen und im Schrank verstauen. Habe ich geschrieben, fühle ich mich aufgeräumt. Wobei Stift – mit der Hand kann ich nicht. Eine Tastatur muss sein. Meine handgeschriebenen Briefe klingen holprig. Schreiben mit der Hand dauert mir einfach zu lange.

Textbasis: Dann ein dreifaches Hoch auf die Technik, denn ich freue mich immer wieder, wenn mein E-Mail-Postfach mir sagt, dass du eine neue Geschichte auf deinem Blog veröffentlicht hast. Verrückte Welt, denke ich dann. – Ganz ehrlich, ist dein Alltag wirklich so verrückt oder passt du deine Geschichten hier und da ein wenig an?
Anke Müller: Weißt du, ich finde es gut, wenn meine Leute Gas geben und ich nur nacherzählen muss. Die sind nicht langweilig. Ich passe auch nichts an. Gut, Füllwörter in den Dialogen kürze ich raus und es kommt vor, dass ein Satzbau umgestellt werden muss. Soll sich ja gut lesen und ich will keinen langweilen. Aber das sind kleine Änderungen.

Textbasis: Nun schreibst du aber nicht nur für deinen Blog, sondern arbeitest auch freiberuflich als Texterin. Was macht für dich den Unterschied aus zwischen Auftragsarbeit und eigenen Texten? Kann man immer gleichmotiviert an alle Texte herangehen, um sie möglichst kreativ, möglichst lebendig zu gestalten?
Anke Müller: Nun … 😀 … ich kann ja schlecht sagen: Auftragsarbeit macht weniger Freude. Auftragsarbeit ist zum Überleben und wer bezahlt, der verdient und bekommt meinen vollsten Einsatz. Eigener Text ist die Belohnung und mein Inspirationsquell. Weil ich aufgrund meiner familiären Situation nur teilzeitselbständig bin, nehme ich mir die Freiheit, Jobs auszuwählen. So richtig sachlich-ernsthaften Text mag ich allerdings nicht.

Textbasis: Ich hatte es oben kurz erwähnt, dein erster Roman steht vor der Fertigstellung. Verrate uns doch bitte, woran genau du schreibst und um was es geht?
Anke Müller: Ich schreibe einen Jugendkriminalroman, Lesealter ab 11, den ich als Reihe angelegt habe. Protagonist ist Homar, der Sohn einer Geheimagentin. Er lebt im Internat. Oft braucht Mutter Inga seine Hilfe und sie bringen gemeinsam Ganoven zur Strecke.
Im ersten Band geht es nach Mailand. Alle Spieler des AC Milan wurden entführt. Keine Anhaltspunkte, die Lösegeldforderung lässt auf sich warten. Zu allem Übel ziehen die Carabinieri Inga gleich bei der Einreise nach Italien hoch. Den Truck mit der Spezialausrüstung und dem Geheimraum im Anhänger konfiszieren sie ebenfalls. Homar ist ziemlich allein gestellt. Ob da nicht etwas ganz anderes hinter steckt?

Textbasis: Die beiden passen thematisch ja super zusammen: das kleine Gespenst, das die Welt bei Tage erkundet; und Homar, der gemeinsam mit seiner Mutter die Welt der Ganoven und Gangster durcheinanderrüttelt. Was hat dich dazu bewogen, einen Jugendroman zu schreiben?
Anke Müller: Als mein Sohn kleiner war, begleitete ich seine Lektüren intensiv. Es störte mich, dass ich keine Lokalkrimis für Kinder fand. Am Ende spielt Homars erster Fall zwar in Mailand, aber er umfasst nur einen Auftrag mit einer 3-Tages-Reise. Basiscamp, also das Internat, liegt in Deutschland und der nächste Fall wird Homar und seine Mutter nach Duisburg führen. Eine Dachgeschosswohnung im Innenhafen, gleich neben der Synagoge, habe ich den beiden bereits ausgeguckt.

Textbasis: Gut zu wissen, dass die beiden bestens aufgehoben sind. Welche Rolle spielt für dich das Bloggen neben der ganzen Schreibarbeit und dem täglichen Wahnsinn? Alles nur zusätzliche Belastung?
Anke Müller: Ganz im Gegenteil! Das Bloggen macht mir Freude. Anhand der Leserreaktionen analysiere ich meine Texte und ziehe wertvolle Informationen für weitere Arbeit daraus. Erlaubt es die Zeit nicht, blogge ich nicht.

Textbasis: Zum Schluss: Hast du irgendwelche ganz persönlichen Geheimtipps für angehende Autorinnen und Texter, um besser zu schreiben?
Anke Müller: Da habe ich tatsächlich etwas, das ich fast täglich praktiziere. Pointiertes Schreiben: Die beste Fingerübung für mich ist das Kommentieren in den sozialen Netzen. Ich bevorzuge Facebook. Dort habe ich eine feine Gruppe handverlesener Gleichgesinnter. Immer wieder eine Herausforderung und Anlass zur Freude.

Textbasis: Das ist in der Tat ein ausgefallener Ratschlag, um sich selbst ein bisschen fitter zu machen und auf neue Ideen zu kommen. Damit sind wir aber auch schon wieder am Ende dieser Folge angekommen. Ich hoffe, dass Sie Anke Müllers Text und ihre Antworten erfrischt und angeregt haben. Ich jedenfalls danke dir ganz herzlich für deine Teilnahme und das unterhaltsame Interview. Wenn Sie noch mehr gute Laune und lockerleichte Sprachen wollen, wenn Ihnen noch ein klein wenig die Nacht hinter den Augen sitzt, dann zögern Sie nicht, lassen Sie sich von folgendem Link direkt zu Ankes Blog leiten und lesen Sie sich munter. Auf zu Ankes verrückter Welt des Alltags!

PS: Wer von Ihnen ebenfalls Lust hat, einen seiner Texte hier vorzustellen und ein paar Worte über sich zu sagen, folge mir mit seinem Blog, oder mache auf andere Weise auf sich aufmerksam. Ich würde mich freuen, ein Zeichen von Ihnen zu erhalten.


[Feedback erwünscht!] Umfragen zum protoTYPE „matchbox“

Stress in der Textbasis, deswegen heute der Artikel verspätet und auch nur ganz kurz. – Vor ein paar Wochen erschien auf dem textbasis.blog ein kleiner Beitrag zu einem großen Projekt (Klick für mehr Infos).

Matchbox soll den vernetzenden Brückenschlag schaffen zwischen Verlagen, Autoren und Lesern. Es soll helfen, schnell und zuverlässig neue Texte für Verlagsprogramme zu finden; es soll helfen, schnell und effektiv eigene Manuskripte anzubieten; und es soll die Leser als Indikator für Trends aktiv miteinbeziehen. Kurzum: Matchbox soll ordentlich liegen gebliebenen Staub aufwirbeln.

Und damit der schon bald durch die Luft stieben kann, ist Ihre Meinung wichtig. Sind Sie AutorIn?, oder arbeiten Sie in einem Verlag? Helfen Sie mit, damit aus matchbox das werden kann, was sich auch wirklich alle wünschen: ein innovatives neues Netzwerk. Über die folgenden Links gelangen Sie direkt zu den anonymen Umfragen, Zeit sollten Sie in etwa 5–10 Minuten einplanen.

Umfrage für Autoren (Passwort: MB2013)
Umfrage für Verlage (Passwort: MB2013)

Auf dass all den Mühen Großes entwachse!


[Der lyrische Mittwoch, Folge 8] H. Gudjonsson – The Trees That Bend Around Me

„Poesie, das ist Musik“, so heißt die vor Kurzem eingeführte Kategorie hier auf dem textbasis.blog. Und dass Sprache nicht nur in Versen lyrisch sein kann, wurde von Danielle in der siebenten Folge des lyrischen Mittwochs bewiesen. – Da liegt es nur nah, dass auch der Liedtext nicht unerwähnt bleiben sollte, wenn es um schöne Sprache geht. Ich freue mich deswegen diese Woche ganz besonders, Ihnen einen deutschen Liedermacher vorstellen zu dürfen, der schon seit vielen Jahren tiefe, eindringende Musik schafft und veröffentlicht. H. Gudjonsson stammt aus dem Osnabrücker Land und lebt derzeit in Bremen. Er wirkte bereits an diversen Projekten im Theater des Schlachthofs in Bremen mit und 2012 erschien sein aktuelles Album „The Darkness And…

„The Trees That Bend Around Me“ lautet der Titel des vorgestellten Liedes und schon mit den ersten Tönen wird es finster um uns her. Während Schatten in diesem Tunnel verbrannter Ewigkeiten schlurfend am Rand entlangschleichen und Bäume ihre gespenstig dürren Äste durchs Dickicht immer näher heranschieben, leuchtet nur noch ein letztes Licht: die Flamme im eigenen Herzen. Das stoisch wiederholte Gitarrenmotiv: gespenstiges Wandern in monddurchschienener Friedhofsluft unter bewölkten Himmeln. Zu langsam sich dem Ziel nähern, selbst verbrennen – alles um sich herum verbrennen! –, den eigenen Rauch einatmen. Sich von Herzglut und vom Nachtweg verzehren lassen. Liebesgetriebensein, eine Flucht zurück ans Ziel, ein Verstecken im Ausgebrannten, näher kommen — und doch die Gerippearmee der Bäume so nah, so nah …

The Trees That Bend Around Me

trees bend around me, around me
trees bend around my arms and ankles
trees bend around my heart,
my flaming heart

bring factory smoke to fill my lungs
bring factory smoke to fill my lungs
a scorched vessel to sink in,
to sink in

let me get closer
let me get nearer,
nearer to thee

H. Gudjonsson

H. Gudjonsson

Textbasis: Herzlich willkommen beim lyrischen Mittwoch! Ich freue mich, dass du Zeit gefunden hast, um ein paar Fragen zu dir und deinem Schaffen zu beantworten. Ich selbst schätze deine Musik seit einigen Jahren und bin begeistert von der Tiefe deiner Lieder, der Kombination von Elementen des Slowcores und des Acoustic Folks. Seit wann machst du Musik und was fasziniert dich noch immer daran?
H. Gudjonsson: Meine ersten Erfahrungen mit der Musik waren im Grunde eher unglücklich. Als ich etwa acht Jahre alt war, wurde  ich von meinen Eltern zum Saxofon-Unterricht angemeldet und habe das – eher widerwillig – dann auch ganze sechs Jahre „durchgestanden“. Zu der Zeit hat mir das Musizieren nicht viel gegeben, man spielte vom Blatt, was der Lehrer einem vorgesetzt hatte, und war froh, wenn das nachmittägliche Üben beendet und die Eltern zufrieden waren, man sich also mit Dingen beschäftigen konnte, die Jungs nun mal so machen. Die Faszination für Musik entwickelte ich erst im Laufe der Pubertät. Ich habe gemerkt, dass Stift und Papier eine gute und einfache Lösung sind, um Gefühle und Eindrücke zu verarbeiten, die man nicht mit seinen Freunden besprechen mag. Meine ersten Texte habe ich dann als Sänger in einer Schulband ausprobiert, Gitarre spielen habe ich mir erst beigebracht, als wir nach unseren Abschlüssen getrennte Wege gingen. Da war ich etwa 18, 19 Jahre alt. Im Laufe der Zeit ist das Musizieren dann zu einem wichtigen Teil von mir geworden, ich habe mehr und mehr herausfinden können, wie ich meine Gefühle in Melodien übersetzen und mit meiner skizzenhaften Art zu texten verbinden konnte.

Textbasis: Dass Musik nicht auf Text und Sprache angewiesen ist, bedarf eigentlich nicht der Erwähnung. Auch bei dir lebt das Lied in sich, lange instrumentale Passagen zeichnen oft den Charakter deiner Titel aus. In welchem Verhältnis stehen für dich Liedtext und Musik? Was gewinnt die Musik durch die Worte?
H. Gudjonsson: Das ist eine sehr spannende Frage, Sebastian! In meinem Verständnis sollten Liedtext und Musik immer eine Symbiose darstellen, sich aber gerne auch gegenseitig herausfordern und entwickeln. Soll heißen, dass ein sich zuspitzender, wütender Text musikalisch auch in dieser Form unterstützt werden sollte. Bei einem Titel wie „The Trees That Bend Around Me“, in dem die Strophen sehr deutlich durch Instrumentalparts voneinander getrennt sind, ist es mir zum Beispiel sehr wichtig, dass die Melodien emotional das zuvor Gesungene aufgreifen und der Hörer das Gefühl bekommt, dass Textebene und Musikebene untrennbar miteinander verwoben sind. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn man auch genauestens auf die Intonation des Textes achtet, Stimme und Text als Instrument wahrnimmt und auf die Musik abstimmt.

Textbasis: Entsteht bei dir zuerst die Melodie oder der Text, wenn du Lieder schreibst? Was inspiriert dich?
H. Gudjonsson: Es gibt kein bestimmtes Schema, nach dem ich vorgehe. Als ich anfing, Songs zu schreiben, habe ich immer erst die Texte geschrieben und im Nachhinein eine musikalische Untermalung dafür gesucht. Diese Art des Songwritings gibt einem die Freiheit, eine längere Geschichte in mehrere Lieder aufzuteilen. So ist mein erstes Album „The Mountain“ entstanden. Nach „The Mountain“ gab es eine Zeit der Schreibblockade und ich habe andere Ansätze des Songwritings ausprobiert. „The Trees That Bend Around Me” entstammt beispielsweise einer Art „Jam-Session”. Zusammen mit meiner Freundin Haruko spiele ich gerne „zwanglos“ improvisierte Versatzstücke/Themen. Einfach als Zeitvertreib … ab und an bleiben dann bestimmte Themen aus diesen Sessions hängen, wiederholen sich wieder und wieder im Kopf und während man grade das Abendessen zubereitet, bilden sich die ersten Worte zur Melodie. Inspiration bekommt man teilweise tatsächlich von alltäglichen Dingen. Grundsätzlich sind persönliche Erlebnisse und Gedanken über Mitmenschen und mich selbst aber die Hauptquelle meiner Songs.

Textbasis: Wenn man sich „The Trees That Bend Around Me” mehrmals anhört, verschmelzen Worte und Töne immer mehr. Durch die Wiederholung des Gitarrenmotivs und die spärlich vorgetragenen Worte verliert man sich im Ganzen. Dies ist etwas, das besonders der heutigen Pop-Musik der Mainstream-Industrie verlorengegangen ist. Was zeichnet für dich gute Musik aus, was hörst du selbst am liebsten?
H. Gudjonsson: Gute Musik ist ehrlich, hat Charakter und Stil. Leider eine äußerst selten zu findende Kombination und ein Grund dafür, dass mich wenig Musik richtig mitreißen kann. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre Musik für viele nur ein Mittel zur Selbstdarstellung. Das ist dann natürlich zum Scheitern verurteilt. Richtig mitreißen können mich Bill Callahan (alias Smog), Phil Elverum (alias Mount Eerie) und der leider kürzlich verstorbene Jason Molina (u. a. Songs: Ohia und Magnolia Electric Co.). Als ich vor elf Jahren zum ersten Mal „Mi Sei Apparso Come Un Fantasma“ von Songs: Ohia gehört habe, habe ich sofort gespürt, dass Jason Molina seine Songs „lebt“. Seine Texte bewegen mich noch heute und musikalisch hat er verstanden, dass man mit einfachen Mitteln große Gefühle ausdrücken kann. Das war eine prägende Erfahrung für mich und seither suche ich nach Musik, die eine ähnliche Seele hat wie die der Songs: Ohia Alben.

Textbasis: Auch für mich ist Jason Molinas Tod ein großer Verlust, die Welt hat mit ihm einen wunderbaren Musiker verloren. — Wenden wir uns dennoch wieder den Interviewfragen zu:  Sagen wir, du solltest Liedtext und Gedicht vergleichen. Worin liegen für dich die Stärken des einen, die Schwächen des anderen?
H. Gudjonsson: Ich muss zugeben, dass ich mich nicht besonders gut mit Gedichten auskenne und sie selten lese. Ich bin eher Romanleser. Nun weiß ich allerdings, dass die größte Stärke eines Liedtextes die ist, dass er direkt durch das Singen eine emotionale Ebene bekommt und seine Intention auf diese Weise schnell deutlich wird. Die Schwierigkeit bei Liedtexten allerdings ist, dass man phonetisch leicht an Grenzen stößt und seinen Text deshalb immer etwas nachbessern muss, damit er gut mit der Musik funktioniert. Hierbei muss man natürlich achtgeben, dass man die ursprüngliche Aussage nicht verfälscht. Dennoch ist man bei einem Liedtext nicht zwingend an Reimschemata oder Silbenanzahlen gebunden, das dürfte bei klassischen Gedichten sicherlich eine größere Herausforderung darstellen.

Textbasis: Was erwartet uns in Zukunft von dir und wann wird dein nächstes Album erscheinen? Wo kann man dich live sehen?
H. Gudjonsson: Wenn ich nur wüsste, was die Zukunft bringt! Die Arbeiten am „The Darkness And…“‑Nachfolger sind in Gange und ich hoffe, das Album bis zum Herbst fertigzustellen. Dann würde ich gerne eine kleine Tour machen, allerdings nur drei oder vier Termine in meinen Lieblingsstädten.

Textbasis: Zwei allgemeine Fragen zum Schluss: Was zeichnet Kunst für dich aus?, und: Was bewegt einen eigentlich, sich all den damit verbundenen Mühen auszusetzen? – Du hast pro Antwort einen Satz.
H. Gudjonsson: Kunst ist der Versuch der irdischen Tristesse zu entkommen. Warum das Ganze? Nun, der Mensch ist doch immer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens – für mich ist das Musikmachen zumindest etwas, bei dem ich mich nicht sinnlos fühle.

Textbasis: Vielen Dank für deine Antworten! Wie jede Woche freue ich mich, dass wir gemeinsam den Mittwoch wieder ein bisschen durch schöne Worte (und dieses Mal auch durch schöne Musik) aufwerten konnten. Wenn Ihnen das Verschmelzen von Wort und Ton, von Text und Musik, gefallen hat, empfehle ich Ihnen, ein Ohr zu riskieren und in die restlichen Lieder des Albums „The Darkness And…“ hineinzuhören. Es erwartet Sie Tiefe, die schwer und dunkel und nicht immer einfach und gewiss nichts fürs Nebenbei-Hören ist. Doch am Grund dieser Schwere und am Ende dieser Dunkelheit liegt Ehrlichkeit. Mich begleitet die Musik H. Gudjonssons mittlerweile schon ein paar Jahre: Ich kann Ihnen versichern, dass Sie ein guter Begleiter ist; nehmen Sie ihre Hand! Mit Klick auf folgende Links gelangen Sie zu den Seiten H. Gudjonssons und zu den aktuellen Veröffentlichungen. Bis zum nächsten Mittwoch – bleiben Sie lyrisch!


[Treffpunkt] Mainzer Minipressen-Messe 2013

Aktualisierung:

Tag 1 auf der Messe (Link)

Tag 2 auf der Messe (Link)

Tag 3 auf der Messe (Link) ← Ende

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Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde,

vom 30.05.–02.06. findet in der Rheingoldhalle in Mainz die diesjährige Mainzer Minipressen-Messe statt. Sie stellt sich auf ihrer Webseite wie folgt vor:

360 Aussteller aus mehr als 15 Ländern und 10.000 Besucher bilden den größten Handelsplatz für Kleinverlagsbücher und künstlerische Pressendrucke.
4 Tage lang wird den Besuchern hier angeboten, was in den Werkstätten an teilweise Jahrzehnte alten Druckpressen produziert wurde: rund 10.000 Titel, davon 1000 Neuerscheinungen. Das Treiben an diesem zentralen Treffpunkt ist immer wieder ein kulturelles Ereignis: über 30 Kultur- und Fachveranstaltungen informieren über neueste Ideen und Trends für das Verlegen von Literatur und Kunst und sorgen für Unterhaltung. […] Ob im Bereich Multimedia, Hörbuch oder Internet – auf der Mainzer Minipressen-Messe erleben Sie die Autoren und ihre VerlegerInnen noch zum Anfassen.

Die Textbasis wird vom 31.05.–02.06. als Besucher in Mainz sein. Falls auch Sie auf der Messe sein werden – falls ihr, liebe Freunde, ebenfalls dort seid –, dann könnte man sich treffen und gemeinsam diese wundervollen Tage hinein in den Juni genießen – es wäre mir eine große Freude!

Bis Mainz!

Viele Grüße
Sebastian Schmidt

PS: Mehr Informationen zur Messe finden Sie hier, das virtuelle Ausstellerverzeichnis hier.


[Linkzeit] Buchpakete gewinnen bei Matthias Czarnetzki / Besser schreiben mit Tipps von g:textet

Auf dem Blog von Matthias Czarnetzki läuft derzeit eine sehr schöne Aktion, bei der ordentlich E-Books abzugreifen sind. Das Vorgehen ist simpel:

1. E-Book mit Leseproben für 0,89 € kaufen oder sich auf seinem Blog als VIP-Leser anmelden (dann gibt’s das Buch geschenkt)
2. Leseproben im E-Book lesen
3. Die Fragen zu den Leseproben beantworten (und hier einsenden)
4. Sind die Antworten richtig, nimmt man automatisch am Gewinnspiel teil

Zu gewinnen gibt es humorvolle Bücher folgender Autoren:

  • Hellmut Pöll
  • Daniel Morawek
  • Dori Mellina
  • Michael Meisheit
  • Herfried Loose
  • Matthias Czarnetzki

Wenn Sie interesse haben, surfen Sie doch kurz auf Matthias Czarnetzkis Blog vorbei, dort gibt’s die Details. Teilnahmeschluss ist der 21.05.2013. Auf zu neuen Büchern!

Doch das war noch nicht alles, was es umsonst gibt! Gudrun Lerchbaum hat auf ihrem Blog g:textet einen wundervollen Artikel mit Tipps zum bewussten Schreiben eingestellt. Ein Venedigaufenthalt und die anstehende Überarbeitung ihres Romans haben Sie dazu bewogen, ein bisschen darüber nachzudenken: „Was darf man, was ist unvermeidlich, was geht gar nicht?“ Gemeint ist die Verwendung floskelhafter Sprache. Kurzweilig und aufschlussreich, uneingeschränkt zu empfehlen! Klick!