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„‚So!‘?“, oder: Zeichensetzung bei wörtlicher Rede.

Ab und an trifft man auf sehr abenteuerliche Zeichensetzung, wenn wörtliche Rede verwendet wird. Der heutige Artikel soll etwas Licht zwischen die Punkte und Kommata bringen.

Oft werden vier Arten der Zitation verwendet. Unser Beispielsatz zur Verdeutlichung soll lauten:

„Herr Ober, bringen Sie mir bitte die Rechnung.“

Im Text kann er folgendermaßen verwendet werden:

1) Direkt, wenn die Sprecher bekannt und unterscheidbar sind. Der Satz wird ganz normal in Anführungszeichen eingeschlossen. Regel: Die Zeichensetzung erfolgt ohne Veränderung.

„Herr Ober, bringen Sie mir bitte die Rechnung.“
„Der Abend geht auf’s Haus, Frank!“
„Na, da dank’ ich schön!“

2) Direkt, mit Nennung des Sprechers. Oft in dramatischen Texten zu finden, trifft man auch in Prosatexten auf die eindeutigere Variante. Regel: Die ursprüngliche Zeichensetzung wird unverändert übernommen, der Satz selbst folgt jedoch der Personennennung und einem Doppelpunkt.

Alle blickten sich im Lokal um, plötzlich erhob einer seine Stimme. Frank (sagte): „Herr Ober, bringen Sie mir bitte die Rechnung.“

Beiden Varianten ist gemeinsam, dass der Erzähler weitestgehend unsichtbar bleibt. Zudem wird die ursprüngliche Zeichensetzung beibehalten.

3) Die dritte Variante bedient sich der Inquit-Formeln und findet dann Einsatz, wenn die Sprecher nicht eindeutig unterscheidbar sind und wenn aus stilistischen Gründen eine vorausgehende Nennung unterbleiben soll. Regel 1: Endet der Satz der wörtlichen Rede mit einem Satzpunkt, entfällt dieser; Ausrufungs- und Fragezeichen bleiben erhalten. Regel 2: Der angehängten Inquit-Formel geht ein Komma voraus.

Falsch: „Herr Ober, bringen Sie mir bitte die Rechnung.“, schrie Frank aufgeregt.

Richtig: „Herr Ober, bringen Sie mir bitte die Rechnung“, schrie Frank aufgeregt.
Richtig: „Herr Ober, bringen Sie mir bitte die Rechnung!“, schrie Frank aufgeregt.

4) Variante vier unterscheidet sich von den vorher genannten dadurch, dass sie die wörtliche Rede unterbricht. Die Gründe für eine solche Unterbrechung sind unterschiedlich, dienen aber oft der besonderen Betonung von Satzteilen. Regel 1: Die Unterbrechung wird durch Kommata eingeschlossen; nach dem zweiten Komma wird klein weitergeschrieben. Regel 2: Erfolgt die Unterbrechung an einem Komma, dann entfällt dieses.

Falsch: „Herr Ober,“, schrie Frank aufgeregt, „bringen Sie mir bitte die Rechnung.“

Richtig: „Herr Ober“, schrie Frank aufgeregt, „bringen Sie mir bitte die Rechnung.“
Richtig: „Herr Ober, bringen Sie mir“, natürlich wollte wieder der Lebemann zahlen, „bitte die Rechnung.“
Richtig: „Herr Ober, bringen Sie mir“, natürlich wollte wieder der Lebemann zahlen, „bitte die Rechnung“, schrie Frank aufgeregt.

Besonderheiten, Ausnahmen und Kuriositäten

Alle Regeln besitzen sie – die Ausnahmen. Auch hier ist es so. Eine sture Anwendung kann in seltenen Fällen zu unschönen, mehrdeutigen Ergebnissen führen.

Besonderheit: Zitat im Zitat

„Wo bist du?“, hörte man Frank schnaufen.
„Wie bitte, was hast du gesagt?“, fragte Miriam.
–> „Ich sagte ‚Wo bist du?‘.“ oder: „Ich sagte ‚Wo bist du?‘!“

Unschön, aber notwendig ist der Satzpunkt/das Ausrufungszeichen am Schluss. Denn das Fragezeichen gehört zum Zitat, der Satzpunkt/das Ausrufungszeichen schließt ganz regulär den Satz ab. An solchen Stellen empfiehlt sich jedoch meist eine Umformulierung, um nicht etwa zu Zeichensetzungen wie der folgenden Kuriosität zu gelangen:

„Ich hab das Ende nicht verstanden, aber hat der zu mir gesagt ‚Bist du noch ganz saube’ …?!‘?“, fragte Joachim.

Zwar korrekt, aber ein Angriff auf die Augen. Die Zeichenfolge ’ …?!‘?“, sollte in keinem gedruckten Satz auftauchen dürfen. Es handelt sich dabei um einen Apostroph () zur Verdeutlichung, dass „sauber“ nicht ausgesprochen wurde; die Kennzeichnung, dass ein Satzteil von Joachim nicht verstanden wurde, geschieht durch Auslassungspunkte (); gefolgt von „?!“, welches die Betonung des zitierten Satzes anzeigt. Dann folgt das einfache Ausführungszeichen () der im Satz zitierten wörtlichen Rede; gefolgt vom Fragezeichen (?), welches die wörtliche Rede von Joachim zusammen mit den regulären Ausführungszeichen () beendet. Zu guter Letzt noch das Komma, welches die Inquit-Formel anhängt. – „Das“, betonte er mit Nachdruck, „ist eindeutig zu viel.“

Ausnahme: Komplizierte Sätze

Der Satz der wörtlichen Rede laute:

„Mensch Frank!, jetzt schrei doch nicht so herum.“

Soll dieser Satz zusammen mit einer Unterbrechung wiedergegeben werden, und soll diese Unterbrechung  nach dem Ausrufungszeichen erfolgen, kann es zu folgendem seltsamen Gebilde kommen:

„Mensch Frank!“, mischte sich Miriam ein, „jetzt schrei doch nicht so herum.“

Hier empfiehlt es sich nicht, an der Regel festzuhalten, dass nach der Unterbrechung klein weitergeschrieben werden soll. Denn dann wirkt es so, als habe sich ein Fehler eingeschlichen. Hier sollten Sie zu folgender Variante greifen:

„Mensch Frank!“, mischte sich Miriam ein. „Jetzt schrei doch nicht so herum.“

Das bedeutet zwar eine minimale Abweichung vom ursprünglichen Satz (da es nun zwei Sätze sind), aber dem Leser und sich tun Sie einen großen Gefallen, indem das Geschriebene eindeutig ist.

Stilblüte: Falsche Auslassungspunkte

Unnötig und unschön wirken Sätze wie der folgende:

„Das ist doch …“, meinte er, „… nicht dein Ernst!“

Nicht nur sieht es befremdlich aus, es ist auch überflüssig. Dass eine wörtliche Rede geteilt wurde, wird nämlich angezeigt durch die Kleinschreibung bei Wiederaufnahme des Zitates:

„Das ist doch“, meinte er, „nicht dein Ernst!“

Obendrein lässt sich der Satz mit den Auslassungspunkten auch nicht auflösen, denn es kann nicht heißen:

„Das ist doch … … nicht dein Ernst.“

Soll (als zu unterbrechende wörtliche Rede) dennoch unbedingt folgender Satz verwendet werden:

„Das ist doch … nicht dein Ernst!“

Dann empfiehlt sich höchstens:

„Das ist doch …“, meinte er, „nicht dein Ernst!“

Aber auch hier scheint es wohl ratsam umzuformulieren und die Auslassungspunkte wegzulassen. Die Sprechpause, die „Er“ einlegt, wird durch die Unterbrechung des Erzählers ganz von allein erzeugt. Das ist zwar ein bisschen gemogelt, aber immer noch besser, als Verwirrung zu stiften. Im Zweifel also einfach und schlicht:

„Das ist doch“, meinte er, „nicht dein Ernst!“

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[Der lyrische Mittwoch, Folge 1] Sybille Ebner: seidenblume

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ganz herzlich begrüße ich Sie zum Eröffnungseintrag des lyrischen Mittwochs. Großer Dank gebührt Sybille Ebner vom sinn.wort.spiel Blog, welche bei den Vorbereitungen half. Der erste Text stammt dann auch gleich aus ihrer Feder und wurde bereits zum Literaturwettbewerb 2011 der Akademie Graz zum Thema: „Zeitgenössische Liebesgedichte“ eingereicht.
Ihr Gedicht „seidenblume“ entführt ins Intime, schleicht um einsame Gedanken. Dem Innen eine Sprache geben; kein Reim, dafür das Intensive des Wahren, des Bekannten. Ganz nah, ganz tief drin, zum Anfassen – und dann lieber doch nicht.

seidenblume

kaum wage ich
dich anzusehn
schon ein blick in sehnsucht
könnte zuviel sein
dich zerbrechen
zerreißen
zerstreuen
und am ende wäre ich wieder
allein –
 
lieber werfe ich dir
gar keinen blick zu
lieber verzichte ich
auf jeden kontakt
und sei es nur
eine zarte berührung –
 
am besten wird es sein
ich nehme dich und
stelle dich an einen platz
an dem ich dir nichts
antun kann –
 
ich will dich nicht
verletzen
kleine seidenblume

Textbasis: Vielen Dank für dein Gedicht, Sybille! Ich freue mich, dass du gleich zugesagt und die Aktion auch auf deinem Blog sinn.wort.spiel vorgestellt hast. Du arbeitest als Lektorin und Korrektorin, welche Rolle spielt für dich das Schreiben eigener Texte?
Sybille Ebner: das schreiben eigener texte ist für mich schon sehr lange wie ein ventil. egal wie, egal wo, egal was – und wenn es nur drei worte auf einem aus einem notizbuch herausgerissenen zettel sind. schreiben ist im grunde die essenz dessen, was ich bin. was ich denke. und das ist auch der grund, warum ich anderen helfen möchte, ihre texte zu verbessern und fehler zu eliminieren.
zu lange habe ich ‚für die schublade‘ geschrieben – nun wage ich mich ins kalte wasser und siehe da: schon wird ein gedicht veröffentlicht und ich werde interviewt. danke!

Textbasis: Bitteschön! In einem Kommentar hast du geschrieben, dass du Gedichte liebst. Was zeichnet Gedichte für dich aus, spielt verdichtete Sprache heute überhaupt noch eine Rolle?
Sybille Ebner: natürlich spielt poetische sprache noch eine rolle! (also, für mich zumindest.) in zeiten, wo ‚oida‘ ein subjekt ersetzt, muss es einen gegenpol geben. und den gibt es – auch zeit.genössisch. wer wissen möchte, was ein gedicht für mich auszeichnet, dem sei der ‚panther‘ von r.m.rilke empfohlen.

Textbasis: Auf deinem Blog stellst du derzeit die Artikelfolge „einfach so.“ ein, die mit viel Sprachgefühl von einer einsamen Frau und vom Schaum handelt. Wie lange schreibst du schon, hast du Pläne, angefangene Projekte? Was würdest du gern einmal schreiben?
Sybille Ebner: noch ist die ‚einfach so‘.reihe nicht an ihrem ende angekommen. aber bald. am ende wird der schaum zu einem synonym. zu einem verlorenen traum. (zuviel möchte ich nicht verraten, selber lesen, lang dauert es ja nicht mehr bis zum ende.)
ich schreibe schon, seit ich schreiben kann. ich habe end.los viele pläne, immens viele angefangene projekte, ein ganzes notiz.buch voller ideen.fetzen – und wann immer es die zeit zu.lässt, widme ich mich diesen. etwas, das ich schon seit jahren schreibe, ist die novelle ‚roter regen‘ – mit viel glück bald auf meinem blog nach.zu.lesen.
was ich gerne schreiben würde … das kann ich so nicht beantworten. denn ich schreibe ja, was ich schreiben möchte. zumindest versuche ich das.

Textbasis: Abschließend: Wie kam es zum Gedicht „seidenblume“, was möchtest du den Leserinnen und Lesern verraten, das vielleicht so nicht direkt im Text steht?
Sybille Ebner: ich war auf der suche nach gedanken zur liebe. zeitgenössische liebes.gedichte – das klingt schwer, und ist es auch. schnell wird es kitschig, schnell platt und nichts.sagend.
’seidenblume‘ ist mein versuch, die mauern innerhalb einer beziehung, die uns von.einander trennen, in worte zu fassen. jene mauern, die uns belasten, erdrücken, und uns davon abhalten, glücklich zu sein.

Textbasis: Der Versuch ist dir gelungen. Letzte Worte?
Sybille Ebner: nein, danke, noch keine letzten worte. so weit bin ich noch nicht. 🙂

Textbasis: Vielen Dank für deine Teilnahme am lyrischen Mittwoch, die interessanten Antworten und dein tolles Gedicht. Ich wünsche dir für die Zukunft viel Erfolg, viele eifrige Leser und weiterhin so gute Textideen.
Für mehr großartige Lyrik und Prosa besuchen Sie bitte Sybille Ebners Blog sinn.wort.spiel – es gibt einiges zu entdecken! Bis zum nächsten lyrischen Mittwoch und eine gute Zeit bis dahin.

PS: Wer von Ihnen ebenfalls Lust hat, eines seiner Gedichte hier vorzustellen und ein paar Worte über sich zu sagen, kontaktiere mich bitte per E-Mail. Ich würde mich freuen, von Ihnen zu lesen.