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Gute Ratgeber schreiben

Neulich las ich von Nina Weber einen sehr interessanten Beitrag über das Schreiben von Ratgebern im Handbuch für Autorinnen und Autoren1, der mich dazu bewog, ein bisschen nachzudenken. Dort schrieb die Autorin über die Dinge, die für das erfolgreiche Verfassen ebenjener Texte nötig seien.

Gerade im Bereich Ratgeber werden regelmäßig von den Verlagen sehr hohe Verkaufszahlen erreicht, da eine sehr hohe Nachfrage besteht. Dies hat zur Folge, dass der Markt einerseits überfüllt ist mit Ratgebern (oft auch mit thematisch ähnlichen) und andererseits ein Ratgeber nicht mehr nur durch das Thema, sondern auch die Umsetzung auffallen muss. Diese schließt dabei gleichzeitig das Layout als auch lebendige Sprache und Wissen um Zielgruppen ein, damit diese richtig adressiert und „abgeholt“ werden können.

Und als wäre das nicht schon eine bachtliche Aufgabe, müssen Sie als Autorin und Sie als Autor natürlich auch Fachfrau und Fachmann auf dem jeweiligen Gebiet sein, über das Sie schreiben wollen. Und ganz nebenbei müssen Sie auch noch die Vorstellungen des Verlages erfüllen und am Ende soll im Idealfall etwas herauskommen, in dem Sie sich selbst wiederfinden.

Die Situation, was Ratgeber anbelangt, ist folgende: Der Markt ist gefüllt; wenn ein Ratgeber dennoch erfolgreich sein soll, dann muss er eine Nische bedienen, diese darf jedoch nicht so spezifisch sein, dass sie ein zu kleines Zielpublikum anspricht. Also schon einmal schwierig genug. Darüber hinaus muss das Layout angepasst und frisch, quasi knackig optimiert sein, was zur Folge hat, dass oft nur ein bestimmter Textrahmen zur Verfügung steht. Das bedeutet, dass Sie nicht immer so viel werden schreiben können, wie Sie wollen, oder aber gerade dann mehr schreiben müssen, wenn Sie das Gefühl haben, dass schon alles gesagt wurde. Weil der Markt umkämpft ist, müssen Sie als Autorin für Ratgeber lernen, mit diesen Unwegsamkeiten umzugehen.

Haben Sie sich also für diesen Weg entschieden, dann werden Sie auf Hindernisse stoßen, die der Markt Ihnen entgegenwirft. Aber das scheint in der Branche üblich, nur darf man sich nicht von den Schwierigkeiten erschlagen lassen. Dazu ist es ratsam, einige Voraussetzungen zu erfüllen. Denn wer anderen Rat geben will, der sollte Rat wissen. Und wer Rat weiß, der weiß oft, wovon er spricht. Um anderen zu helfen, wird es also nicht reichen, selbst ein Laie zu sein und zu hoffen, sich schon irgendwie einarbeiten zu können. Eine Voraussetzung, um erfolgreich Ratgeber zu schreiben, ist, dass sie bereits Expertin und Experte auf einem Gebiet sind, um aus diesem Expertenwissen Text und schließlich Geld zu machen.

Ist diese Grundvoraussetzung erfüllt, dass Sie sich auf einem Gebiet so richtig zu Hause fühlen, dann können Sie beginnen. – Am besten mit der Recherche. Schauen Sie nach, was in Ihrem Wissensgebiet schon geschrieben wurde, schauen Sie, woran sich noch keiner gewagt hat. Und denken Sie so, wie es Nina Weber im oben genannten Artikel vorschlägt: Das, was es schon gibt, das brauchen Sie nicht mehr schreiben – und das, was es noch nicht gibt, das scheint so speziell zu sein, dass sich das Verlegen nicht lohnt. Eine Zwickmühle durch und durch. Der Ausweg: Schauen Sie, was es gibt, und entwickeln Sie eine kreative Idee, einen kreativen Aspekt, der ein bereits vorhandenes Thema aus einer ganz anderen, interessanten Sichtweise aufgreift. Das wird später neben Ihrem Expertenwissen Ihr Hauptverkaufsargument sein (und das ist auch der schwierigste Schritt im Entstehungsprozess Ihres Ratgebers).

Nachdem die Idee steht, eventuell auch schon eine erste Gliederung erstellt wurde, schreiben Sie Ihren Text. Aber schreiben Sie ihn noch nicht in der Herangehensweise, dass Sie die Finalversion erstellen. Schreiben Sie sich Ihren persönlichen Prototypratgeber, wie Sie ihn sich inhaltlich vorstellen, mit allen Kern- und Knackpunkten. Denn wenn dieser Protoratgeber erst einmal steht, dann können Sie richtig loslegen: Exzerpte und Exposés erstellen, Verlage und Agenturen anschreiben; eben all das Mühevolle, das bei der Verlagssuche auftritt. Und wenn Sie dann einen interessierten Verlag oder eine interessierte Agentur gefunden haben, dann warten Sie geduldig ab, mit welchen Ideen und Vorschlägen der Verlag respektive die Agentur an Sie herantritt. Durchdenken Sie die Vorschläge, malen Sie sich Möglichkeiten aus, wie Sie Ihren Protoratgeber an das vorgeschlagene Layout anpassen können, überlegen Sie, wie Sie vorgeschlagene Aspekte einbauen, wie Sie eventuell auch zu komplexe wegfallen lassen können – damit am Ende immer noch Ihr eigenes Buch, Ihr eigener Text stehenbleibt.

Gerade dieses Engagement und diese Flexibilität werden Verlage und Agenturen an Ihnen schätzen – und gerade das wird es auch sein, was sie neben anderen Autorinnen und Autoren auszeichnet. Denn auf dem schnellen Ratgebermarkt gewinnt langfristig nur der, der sich schnell anzupassen weiß und dabei immer individuell bleibt. – Allerdings, eine Hürde gilt es dann noch immer zu überwinden: nämlich den richtigen Ton zu treffen und den Text der jeweiligen Zielgruppe anzupassen (das unterscheidet Ratgeber besonders stark von rein fachinternen, wissenschaftlichen Publikationen).

In der Fachliteratur finden Sie viele Analysen von Zielgruppen und Kaufverhalten. Lesen Sie sich ein, überlegen Sie, wer diejenigen sein werden, die Ihre Ratgeber später einmal kaufen sollen und in ihnen lesen werden. Wie können Sie diese Menschen erreichen? – Haben Sie sich dies überlegt, kommt das hinzu, was das Arbeitsfeld der Ratgeberverfasserin und des Ratgeberverfassers besonders anspruchsvoll macht: nämlich nicht nur Experte zu sein, Kenntnisse um Marktabdeckung und Zielgruppen erlangt zu haben, sondern auch schriftstellerische Fähigkeiten zu besitzen. Denn der eigene Ausdruck muss mindestens ebenso flexibel sein wie die Bereitschaft, sich anzupassen.

Die Kunst, sich in all den Anforderungen nicht zu verlieren, sich zu verwirklichen, am Ende noch immer freudig behaupten zu können, dass der fertige Ratgeber das Besondere ist, was man selbst geschaffen hat und worauf man stolz ist, diese Kunst ist folgende: eine gute Idee haben, gut schreiben können, flexibel sein und diese Flexibilität als eigene Leistung auffassen. Denn nur in Kombination all dieser Merkmale kann ein Ratgeber entstehen, der erfolgreich, frisch und individuell ist. Das ist wesentlich schwieriger, als man eventuell meinen könnte, wenn man die schmalen (und manchmal auch stärkeren) Büchlein in den Regalen stehen sieht.

Und dass viele Ratgeber einen selbst nicht ansprechen, ist nur ein Zeichen der Kunstfertigkeit während ihrer Produktion: Sie sind so durchdacht und hergestellt, dass sie manche Zielgruppen von vornherein ausschließen, um andere umso stärker zu erreichen. Das ist die Technik, einen Ratgeber zu verfassen –, und in die muss man viel Lern- und Schreibarbeit investieren.

(Dieser Artikel entstand während der Anreise nach Mainz zur Minipressen-Messe 2013)

Quellenangabe:
1Nina Weber: Die Kunst, Ratgeber neu zu erfinden. In: Uschtrin, Sandra/Hinrichs, Heribert (Hrsg.): Handbuch für Autorinnen und Autoren. S. 50-66
7. völlig überarbeitete Aufl. München: Uschtrin Verlag,
2010. – ISBN 978-3-932522-14-7

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Lektorat: Chancen und Vorteile

Liebe Autorinnen, liebe Autoren,

auf dem textbasis.blog versuche ich, für Sie interessante Artikel zu den Themen Textbearbeitung und Texterstellung zu veröffentlichen. Überdies soll die Reihe „Der lyrische Mittwoch“ Ergebnisse kreativen Schreibens vorstellen und den Blick hinter die Buchstaben und auf die Verfasserinnen und Verfasser freigeben. – Es wäre schön, wenn Sie auf diesen Seiten Inspiration und Motivation fänden, um mit Begeisterung an Ihren eigenen Texten zu feilen. Denn der Weg zu einem wirklich guten Text ist lang und beschwerlich, kostet viel Willenskraft und Lernbereitschaft – doch niemand hat gesagt, dass Sie diesen Weg immer allein gehen müssen.

Die Vorteile eines lektorierten Textes

Oft ist es schwierig, die nötige Distanz zu den eigenen Texten herzustellen, und eines kann kein (Schreib)Training je ändern: Es ist und bleibt Ihr Text; Sie werden ihn nie mit gänzlich fremden Augen lesen können. – An diesem Punkt hilft ein externes Lektorat sehr oft, um Ihren Text nüchtern zu betrachten und gegebenenfalls zu verbessern und aufzuarbeiten. Ein lektorierter Text besitzt wesentlich bessere Chancen verlegt zu werden, da er stilistisch und orthografisch optimiert und den Ansprüchen der Verlage angepasst wurde.

Die Zusammenarbeit mit einem Lektor bietet darüber hinaus einen weiteren Vorteil: Sie profitieren von seinen Branchenkontakten und die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Verlag für Ihr Manuskript zu finden, ist deutlich höher. Unverlangt eingesandte Manuskripte liegen bei den Verlagen oft sehr lange, bis sie gesichtet werden (aufgrund der Masse täglicher Zusendungen). Die Empfehlung eines Lektors, der Ihr Manuskript mit all seinen Stärken kennt, verkürzt diese Wartezeit in vielen Fällen erheblich.

Manuskripte einsenden

Ich würde mich freuen, Ihr Manuskript zu lesen und Ihnen bei der Verlagssuche zu helfen, gleich ob Sie einen Fachtext, Gedichte oder einen Roman verfasst haben.

Dazu senden Sie mir bitte die ersten 30 Seiten Ihres Manuskriptes sowie eine Textzusammenfassung (oder Ihr Exposé) an die unten genannte E-Mail-Adresse. Nach Eingang des Manuskriptauszuges nehme ich Kontakt zu Ihnen auf. Danach prüfe ich, ob ein Lektorat Ihres Textes ratsam erscheint oder ob er eventuell schon verlags‑ und druckfertig aufgearbeitet ist. Nach Abschluss dieser Überprüfung melde ich mich erneut bei Ihnen und wir besprechen gemeinsam das weitere Vorgehen. Mit Zusendung Ihres Manuskriptauszuges gehen Sie selbstverständlich keinerlei Verpflichtungen ein,

Bitte senden Sie Ihre Manuskriptauszüge per E-Mail oder über den Postweg an mich. Die Kontaktdaten für alle Zusendungen finden Sie hier.

Ich freue mich auf Ihre Texte und eine vertrauensvolle und fruchtbare Zusammenarbeit.

Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Schmidt